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Herzdruckmassage richtig durchführen: Druckpunkt, Tiefe und Takt

⏱ 11 Min. LesezeitKategorie: Themen-RatgeberAktualisiert: 16.09.2026
Herzdruckmassage richtig durchführen: Druckpunkt, Tiefe und Takt
Kurz beantwortet: Bei der Herzdruckmassage (Herzmassage) drücken Sie mit gestreckten Armen auf die Mitte der Brust – die untere Hälfte des Brustbeins –, mindestens 5 und höchstens 6 Zentimeter tief und 100- bis 120-mal pro Minute. Nach jedem Druck den Brustkorb vollständig entlasten. Wer nicht beatmen kann oder möchte, drückt ohne Pause weiter, bis ein AED angeschlossen ist oder der Rettungsdienst übernimmt. So empfehlen es die ERC-Leitlinien 2025.

Die Herzdruckmassage ist das Wichtigste, was Laien bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand tun können: Sie hält einen Minimalkreislauf aufrecht, bis ein Defibrillator und der Rettungsdienst übernehmen. Dieser Beitrag erklärt Druckpunkt, Tiefe und Takt, die richtigen Lieder zum Mitzählen, die Besonderheiten bei Kindern und Säuglingen – und enthält einen Takt-Trainer zum Üben.

Zusammengestellt vom Vertriebspartner Steinbach & Gaukel – Vertrieb der Marke aluderm® / W. Söhngen GmbH. Die vorgestellten Geräte sind MDR-konform; der aluderm-AED A2 wird mit 8 Jahren Hersteller-Garantie geliefert. Die Geräte sind zum Kauf und zur monatlichen Miete erhältlich; Wartung und Service erbringen wir gemeinsam mit unserem Partner TÜV SÜD.
Fachlich zusammengestellt für die Praxis · zuletzt aktualisiert 09/2026 · ersetzt keine medizinische Beratung.

Grundlage sind die Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) 2025, die im Oktober 2025 erschienen sind, in der deutschen Fassung des German Resuscitation Council (GRC) und der Einordnung in der Fachzeitschrift Notfall + Rettungsmedizin. Für Drucktiefe, Frequenz und Handposition bei Erwachsenen haben sich gegenüber 2021 keine Änderungen ergeben. Neu ist vor allem, dass der Notruf früher abgesetzt werden soll. Der Beitrag ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs – üben Sie die Handgriffe, wann immer sich die Gelegenheit bietet.

Wann mit der Herzdruckmassage beginnen? Prüfen – Rufen – Drücken

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand liegt vor, wenn eine Person nicht reagiert und nicht normal atmet. Achtung: Schnappatmung – seltenes, mühsames, keuchendes oder gurgelndes Luftholen – ist keine normale Atmung. Sie tritt bei 30 bis 60 Prozent der Kreislaufstillstände auf und wird oft als Lebenszeichen missverstanden. Im Zweifel mit der Wiederbelebung beginnen.

  1. Prüfen: laut ansprechen, an den Schultern rütteln, auf die Atmung achten.
  2. Rufen: 112 wählen. Nach den ERC-Leitlinien 2025 soll der Notruf früh abgesetzt werden – sobald die Person nicht reagiert. Den Lautsprecher einschalten, damit die Hände frei sind; die Leitstelle leitet Sie an.
  3. Drücken: sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Umstehende den nächsten AED holen lassen.

Druckpunkt und Haltung

Die Person liegt auf dem Rücken. Machen Sie den Oberkörper frei, knien Sie sich seitlich daneben und setzen Sie einen Handballen auf die Mitte der Brust – das ist die untere Hälfte des Brustbeins. Die zweite Hand legen Sie darauf. Die Arme bleiben gestreckt, der Oberkörper befindet sich senkrecht über dem Brustkorb, damit Sie mit dem Gewicht statt mit der Armkraft drücken.

Am wirksamsten ist die Herzdruckmassage auf einer festen Unterlage. Die ERC-Leitlinien raten aber davon ab, einen Menschen eigens von einer weichen Unterlage wie einem Bett auf den Boden umzulagern – das kostet Zeit. Wo es ohne Aufwand geht, ist der Boden die bessere Wahl.

Wie tief und wie schnell? Die Werte im Überblick

Bei Erwachsenen drücken Sie mindestens 5 und höchstens 6 Zentimeter tief, mit einer Frequenz von 100 bis 120 pro Minute. Nach jedem Druck entlasten Sie den Brustkorb vollständig, ohne sich aufzustützen – nur so kann sich das Herz wieder mit Blut füllen. Für Kinder und Säuglinge gelten eigene Regeln; die Tabelle stellt sie nebeneinander.

ErwachseneKinder ab 1 JahrSäuglinge
Drucktiefemind. 5 cm, höchstens 6 cmmind. ein Drittel der Brustkorbtiefe, nie mehr als 6 cmmind. ein Drittel der Brustkorbtiefe
Frequenz100–120 pro Minute100–120 pro Minute100–120 pro Minute
Druckpunktuntere Hälfte des Brustbeinsuntere Hälfte des Brustbeinsuntere Hälfte des Brustbeins
Technikzwei Hände übereinandereine oder zwei HändeZwei-Daumen-Technik, Hände umfassen den Brustkorb
Beginnsofort drücken5 Beatmungen, dann Herzdruckmassage5 Beatmungen, dann Herzdruckmassage
Verhältnis30:2 für Geschulte, sonst nur drückenLaien 30:2, Geschulte 15:2Laien 30:2, Geschulte 15:2

Herzdruckmassage-Lied: Songs im richtigen Takt

Den Takt von 100 bis 120 pro Minute trifft man mit einem Lied im Kopf erstaunlich gut. Der bekannteste Tipp ist „Stayin' Alive“ von den Bee Gees, den auch die Deutsche Herzstiftung nennt. Die Björn Steiger Stiftung führt außerdem „Atemlos durch die Nacht“ (Helene Fischer), „Dancing Queen“ (ABBA), „Hips Don't Lie“ (Shakira) und „Just Dance“ (Lady Gaga) auf. Der GRC hat eine eigene Playlist mit Titeln im passenden Tempo zusammengestellt. Wichtiger als das perfekte Lied ist allerdings, überhaupt kräftig und ohne lange Pausen zu drücken.

Takt-Trainer zum Üben: 110 Schläge pro Minute

Starten Sie den Taktgeber und drücken Sie an einer Übungspuppe oder einem festen Kissen im Rhythmus. Die Mitte des empfohlenen Bereichs von 100 bis 120 pro Minute liegt bei 110.

Nur zum Üben. Im Notfall zuerst 112 wählen – die Leitstelle leitet an, und viele AED geben ebenfalls Hilfen zum Takt.

Mit oder ohne Beatmung?

Wer in der Beatmung geschult ist und sie sich zutraut, gibt bei Erwachsenen im Wechsel 30 Kompressionen und 2 Beatmungen. Wer das nicht gelernt hat oder nicht beatmen möchte, drückt einfach ohne Unterbrechung weiter. Die Laienfassung der ERC-Leitlinien bezeichnet die alleinige Herzdruckmassage mit mindestens 100 pro Minute ausdrücklich als akzeptables Vorgehen, und die Leitstelle leitet am Telefon ohnehin nur die Herzdruckmassage an.

Bei Kindern ist das anders: Dort bleibt die Wiederbelebung mit Beatmung der Standard, weil sie nach der deutschen Einordnung der Leitlinien mit besseren neurologischen Ergebnissen verbunden ist. Ist Beatmen nicht möglich, ist die Herzdruckmassage allein aber immer besser als nichts. Wer Hemmungen wegen der Hygiene hat, findet Hilfsmittel im Beitrag Hygiene bei der Atemspende.

Durchhalten: Helferwechsel und kurze Pausen

Herzdruckmassage ist anstrengend, und mit der Erschöpfung sinkt die Qualität. Sind mehrere Helfer da, wechseln Sie sich etwa alle zwei Minuten ab – so empfiehlt es das Deutsche Rote Kreuz. Der Wechsel sollte zügig gehen, denn jede Pause unterbricht den Kreislauf. Die deutsche Einordnung der ERC-Leitlinien nennt als Qualitätsziel, dass in mindestens 60 Prozent der Zeit gedrückt wird.

Niemand muss das allein können: In Deutschland leitete die Leitstelle 2025 an den Referenzstandorten des Reanimationsregisters in 38,4 Prozent der Fälle telefonisch zur Wiederbelebung an. Bleiben Sie am Telefon und folgen Sie den Anweisungen.

Herzdruckmassage und AED zusammen

Sobald ein AED da ist, wird er eingeschaltet und angeschlossen – danach folgen Sie seinen Sprachansagen. Während der Rhythmusanalyse und der Schockabgabe darf niemand den Patienten berühren. Die Pausen vor und nach einem Schock sollen so kurz wie möglich sein: Fordert das Gerät dazu auf, geht die Herzdruckmassage sofort weiter. Sind Sie allein, unterbrechen Sie die Herzdruckmassage nicht, um einen AED zu holen.

Warum das Zusammenspiel so wichtig ist: Die Herzdruckmassage hält die Organe notdürftig mit Sauerstoff versorgt, beenden kann ein Kammerflimmern aber nur der Stromstoß. Mit jeder Minute bis zur Defibrillation sinkt die Überlebenschance um 3 bis 6 Prozent. Mehr dazu in Kammerflimmern erklärt und AED richtig anwenden.

Für Kinder unter 25 Kilogramm sehen die ERC-Leitlinien einen Kindermodus vor, sofern das Gerät einen hat, und empfehlen, die Elektroden vorne und hinten am Körper aufzukleben. Die aluderm-AED A1 und A2 haben dafür eine Kindertaste.

Herzdruckmassage bei Kindern und Säuglingen

Die ERC-Leitlinien 2025 für Kinder sehen vor, den Notruf abzusetzen, sobald der Kreislaufstillstand erkannt ist – noch vor den Beatmungen. Danach folgen fünf Beatmungen und anschließend die Herzdruckmassage. Laien, die nicht speziell in Kinderreanimation geschult sind, wechseln wie bei Erwachsenen im Verhältnis 30:2; geschulte Helfer im Verhältnis 15:2.

Gedrückt wird auch bei Kindern auf der unteren Hälfte des Brustbeins, mit 100 bis 120 pro Minute und mindestens einem Drittel der Brustkorbtiefe. Bei Kindern ab einem Jahr nehmen Sie eine oder beide Hände. Bei Säuglingen empfehlen die Leitlinien 2025 klar die Zwei-Daumen-Technik: Die Hände umfassen den Brustkorb, beide Daumen drücken. Die früher verbreitete Zwei-Finger-Technik gilt als unterlegen, weil sie weniger tief drückt und schneller ermüdet. Mehr zur Kinderreanimation im Ratgeber Reanimation und Wiederbelebung.

Typische Fehler – und die Angst davor

Aus den Vorgaben der Leitlinien lassen sich die häufigsten Schwachstellen ableiten: zu flach gedrückt, zu langsam, der Brustkorb nicht vollständig entlastet, zu lange Pausen, eine zu weiche Unterlage – und vor allem eine Schnappatmung, die für normale Atmung gehalten wird. Der größte Fehler ist aber, gar nicht anzufangen.

Die Sorge, etwas kaputt zu machen, ist verständlich, aber unbegründet: Nach den ERC-Leitlinien gibt es wenig Hinweise, dass eine Wiederbelebung erheblich schadet, selbst wenn sich herausstellt, dass gar kein Kreislaufstillstand vorlag. Rechtlich sind Ersthelfer in Deutschland abgesichert. Wer bei Unglücksfällen hilft, ist nach § 2 Abs. 1 Nr. 13 SGB VII gesetzlich unfallversichert. Nach der DGUV Information 204-022 haften Ersthelfer nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit; für eine ungewollte Verletzung wie einen Rippenbruch bei der Herzdruckmassage können sie grundsätzlich nicht haftbar gemacht werden. Wer dagegen nicht hilft, obwohl es geboten und zumutbar ist, riskiert eine Strafe nach § 323c StGB. Mehr dazu in Defibrillator und Haftung.

Was die Herzdruckmassage bewirkt

Sofortige Herzdruckmassage durch Anwesende verdoppelt bis verdreifacht die Überlebenschance – so fasst es die Kampagne „Ein Leben retten“ zusammen. Europaweit überleben laut ERC im Schnitt nur 7,5 Prozent einen Kreislaufstillstand außerhalb des Krankenhauses, mit großen Unterschieden zwischen den Ländern. In Deutschland begannen Laien 2025 an den Referenzstandorten des Reanimationsregisters in 53,5 Prozent der Fälle mit der Wiederbelebung – jeder zusätzliche Helfer zählt.

Üben: Kurse, Feedback und Hilfsmittel

Herzdruckmassage lernt man am besten an der Übungspuppe. Für die Ausbildung empfehlen die ERC-Leitlinien 2025 Echtzeit-Rückmeldung zu Tiefe und Takt. Im Ernstfall sind Feedback-Geräte und Taktgeber dagegen kein Muss: Nach den Leitlinien sollen sie nicht routinemäßig allein eingesetzt werden, sinnvoll sind sie im Rahmen von Qualitätsprogrammen und zur Nachbesprechung. Eine Reanimationshilfe für den AED-Standort stellt der Beitrag LifePad Reanimationshilfe vor; Betriebe finden Hinweise zur Ausbildung in AED-Einweisung und Schulung.

Häufige Fragen

Wie tief und wie schnell drückt man bei der Herzdruckmassage?
Bei Erwachsenen mindestens 5 und höchstens 6 Zentimeter tief, 100- bis 120-mal pro Minute. Nach jedem Druck den Brustkorb vollständig entlasten. Bei Kindern und Säuglingen mindestens ein Drittel der Brustkorbtiefe, ebenfalls 100 bis 120 pro Minute.
Wo ist der Druckpunkt bei der Herzdruckmassage?
In der Mitte der Brust, auf der unteren Hälfte des Brustbeins. Ein Handballen liegt dort, die zweite Hand darauf; die Arme bleiben gestreckt, der Oberkörper ist senkrecht über dem Brustkorb.
Welches Lied hat den richtigen Takt für die Herzdruckmassage?
Der bekannteste Tipp ist Stayin' Alive von den Bee Gees. Genannt werden außerdem unter anderem Atemlos durch die Nacht, Dancing Queen, Hips Don't Lie und Just Dance. Alle liegen im Bereich von 100 bis 120 Schlägen pro Minute.
Muss ich bei der Wiederbelebung beatmen?
Wer geschult ist, gibt bei Erwachsenen 30 Kompressionen und 2 Beatmungen im Wechsel. Wer das nicht kann oder möchte, drückt ohne Unterbrechung weiter – die alleinige Herzdruckmassage ist bei Erwachsenen ein akzeptables Vorgehen. Bei Kindern bleibt die Beatmung der Standard.
Wie lange muss ich die Herzdruckmassage durchführen?
Ohne lange Pausen, bis der Rettungsdienst übernimmt. Ist ein AED angeschlossen, folgen Sie seinen Ansagen und drücken nach Aufforderung weiter. Sind mehrere Helfer da, wechseln Sie sich etwa alle zwei Minuten ab.
Wie geht die Herzdruckmassage bei einem Kind oder Säugling?
Nach dem Notruf fünf Beatmungen, dann Herzdruckmassage auf der unteren Hälfte des Brustbeins mit mindestens einem Drittel der Brustkorbtiefe und 100 bis 120 pro Minute. Bei Kindern ab einem Jahr mit einer oder zwei Händen, bei Säuglingen mit der Zwei-Daumen-Technik. Laien wechseln im Verhältnis 30:2.
Kann ich bei der Herzdruckmassage etwas falsch machen oder haftbar werden?
Der größte Fehler ist, nicht zu helfen. Ersthelfer sind gesetzlich unfallversichert und haften nach der DGUV Information 204-022 nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit; für einen Rippenbruch bei der Herzdruckmassage können sie grundsätzlich nicht haftbar gemacht werden.

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Quellen & weiterführende Informationen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, rechtliche oder betriebsorganisatorische Beratung. Inhaltlicher Stand: 16.09.2026.

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