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Stabile Seitenlage: Anleitung Schritt für Schritt – und wann sie richtig ist

⏱ 10 Min. LesezeitKategorie: Themen-RatgeberAktualisiert: 17.09.2026
Stabile Seitenlage: Anleitung Schritt für Schritt – und wann sie richtig ist
Kurz beantwortet: Die stabile Seitenlage ist für Menschen, die nicht reagieren, aber normal atmen. Sie hält die Atemwege frei, und Erbrochenes oder Blut kann aus dem Mund abfließen. So geht es: nahen Arm rechtwinklig ablegen, fernen Arm über die Brust mit dem Handrücken an die Wange legen, fernes Bein beugen, die Person zu sich herüberziehen, Kopf überstrecken, Mund leicht öffnen, zudecken – und die Atmung fortlaufend prüfen. Wer nicht normal atmet, kommt nicht in die Seitenlage: Dann 112 wählen und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.

Die stabile Seitenlage gehört zu den bekanntesten Handgriffen der Ersten Hilfe – und zu den am häufigsten verwechselten. Sie ist richtig, solange ein bewusstloser Mensch normal atmet. Fehlt die normale Atmung, braucht es Herzdruckmassage und einen Defibrillator. Dieser Beitrag zeigt die Seitenlage Schritt für Schritt, beantwortet die Frage nach der richtigen Seite und erklärt die Besonderheiten bei Babys, Kindern, Schwangeren und verunglückten Motorradfahrern.

Zusammengestellt vom Vertriebspartner Steinbach & Gaukel – Vertrieb der Marke aluderm® / W. Söhngen GmbH. Die vorgestellten Geräte sind MDR-konform; der aluderm-AED A2 wird mit 8 Jahren Hersteller-Garantie geliefert. Die Geräte sind zum Kauf und zur monatlichen Miete erhältlich; Wartung und Service erbringen wir gemeinsam mit unserem Partner TÜV SÜD.
Fachlich zusammengestellt für die Praxis · zuletzt aktualisiert 09/2026 · ersetzt keine medizinische Beratung.

Grundlage sind die Erste-Hilfe-Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) 2025, ihre Fassung für Laien, das Handbuch zur Ersten Hilfe der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV Information 204-007) sowie die Anleitungen des Deutschen Roten Kreuzes und der Johanniter. Der Beitrag ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs; die Handgriffe sitzen erst, wenn man sie einmal geübt hat.

Wann stabile Seitenlage – und wann nicht?

Nach den ERC-Leitlinien 2025 kommen Erwachsene und Kinder mit verminderter Bewusstseinslage in eine Seitenlage, wenn sie keine Wiederbelebung brauchen – also normal atmen. Die Laienfassung der Leitlinien nennt als typischen Fall eine Bewusstseinsminderung durch eine Erkrankung ohne Hinweise auf Verletzungen. Der Grund: In Rückenlage kann die zurücksinkende Zunge die Atemwege verlegen, und Speichel, Erbrochenes oder Blut können eingeatmet werden. In der Seitenlage ist der Mund der tiefste Punkt, Flüssigkeit kann abfließen.

Keine Seitenlage, wenn die Person nicht normal atmet. Langsames, mühsames, schnappendes oder röchelndes Luftholen ist keine normale Atmung, sondern ein Zeichen für einen Kreislaufstillstand. Dann gilt: 112 wählen, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen und einen AED holen lassen – im Zweifel immer reanimieren. Ebenfalls keine Seitenlage empfehlen die ERC-Leitlinien 2025 nach einem Unfall mit Verletzungsverdacht: Diese Menschen bleiben in Rückenlage.
Person reagiert nicht?laut ansprechen, an den Schultern rütteln112 wählen, Lautsprecher anAtmung prüfen: höchstens 10 SekundenAtmet die Person normal?janein / unsicherStabile Seitenlagezudecken, Atmung fortlaufend prüfenbei Verschlechterung:auf den Rücken, WiederbelebungKreislaufstillstandHerzdruckmassage 100–120/minAED holen lassenund anschließen
Vereinfachte Entscheidungshilfe nach den ERC-Leitlinien 2025. Schnappatmung gilt nicht als normale Atmung. Nach Unfällen mit Verletzungsverdacht bleibt die Person nach ERC 2025 in Rückenlage.

Vorher: Bewusstsein und Atmung prüfen

Sprechen Sie die Person laut an und rütteln Sie sie an den Schultern. Reagiert sie nicht, wählen Sie die 112 und schalten den Lautsprecher ein, damit die Hände frei bleiben. Dann prüfen Sie die Atmung höchstens zehn Sekunden lang: Kopf überstrecken, auf Brustkorbbewegungen achten, auf Atemgeräusche hören und den Luftstrom an der Wange fühlen. Nur wenn die Atmung normal ist, folgt die Seitenlage.

Stabile Seitenlage: Anleitung in 8 Schritten

Die Anleitungen von ERC, DRK und DGUV stimmen im Kern überein:

  1. Hinknien und Beine strecken: Knien Sie sich seitlich neben die Person und legen Sie ihre Beine gerade.
  2. Nahen Arm ablegen: Den Arm auf Ihrer Seite rechtwinklig zum Körper legen, Handfläche nach oben. Nach den ERC-Leitlinien darf er dabei gestreckt oder gebeugt sein.
  3. Fernen Arm an die Wange: Den anderen Arm am Handgelenk greifen, vor der Brust kreuzen und den Handrücken an die Ihnen zugewandte Wange legen. Die Hand dort festhalten.
  4. Fernes Bein beugen: Mit der freien Hand das ferne Bein oberhalb des Knies greifen und anbeugen.
  5. Zu sich herüberziehen: Die Person am gebeugten Bein zu sich auf die Seite ziehen.
  6. Bein ausrichten: Das oben liegende Bein so legen, dass Hüfte und Knie etwa rechtwinklig gebeugt sind – so kippt die Person nicht zurück.
  7. Kopf überstrecken, Mund öffnen: Den Kopf nackenwärts neigen und den Mund leicht öffnen. Die Hand unter der Wange so ausrichten, dass der Kopf überstreckt bleibt und das Gesicht zum Boden zeigt.
  8. Zudecken und beobachten: Die Person zudecken – die DGUV nennt eine Rettungsdecke, die auch unter den Körper geschoben wird – und die Atmung fortlaufend kontrollieren, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Den Notruf setzen Sie möglichst schon vorher ab. Die ERC-Leitlinien empfehlen, die 112 sofort zu wählen und den Lautsprecher zu nutzen; ist jemand anderes da, übernimmt er den Anruf parallel. Nach den ERC-Leitlinien gibt es übrigens kaum Belege für eine einzige „optimale“ Variante der Seitenlage – wichtiger als Perfektion ist, dass die Atemwege frei bleiben.

Nach der Seitenlage: Atmung weiter kontrollieren

Die Seitenlage ist kein Endpunkt. Die ERC-Leitlinien verlangen, die Atmung regelmäßig zu prüfen und Atemwege, Atmung und Bewusstsein zu überwachen; die DGUV spricht von einer ununterbrochenen Beobachtung. Ein festes Minutenintervall nennen die Leitlinien nicht – bleiben Sie deshalb bei der Person und achten Sie laufend auf die Atmung.

Verschlechtert sich der Zustand oder setzt die Atmung aus, drehen Sie die Person auf den Rücken und beginnen mit der Wiederbelebung: 30 Herzdruckmassagen, bei Beatmungskenntnissen 2 Beatmungen, und den AED einsetzen, sobald er da ist. Achten Sie außerdem auf Wärme: Nasse Kleidung entfernen und die Person mit Decken vor Auskühlung schützen.

Stabile Seitenlage: Welche Seite ist richtig?

Die Beschreibungen der ERC-Leitlinien 2025, des DRK und der DGUV schreiben keine bestimmte Körperseite vor – entscheidend ist, dass die Atemwege frei sind und der Mund der tiefste Punkt ist. Praktisch drehen Sie die Person zu der Seite, auf der Sie knien und genug Platz haben.

Eine Ausnahme nennen die Johanniter: Schwangere sollen immer auf die linke Seite gedreht werden. So wird die große untere Hohlvene nicht vom Gewicht der Gebärmutter abgedrückt, und das Blut kann weiter zum Herzen zurückfließen.

Stabile Seitenlage bei Kind und Baby

Kinder, die bewusstlos sind und normal atmen, kommen wie Erwachsene in die stabile Seitenlage, bis der Rettungsdienst eintrifft – so ersticken sie nicht an Erbrochenem oder an der Zunge. Die ERC-Leitlinien schließen Kinder ausdrücklich ein und verweisen auf Studien mit niedrigeren Krankenhausaufnahmeraten.

Bei Säuglingen sind die Empfehlungen deutscher Hilfsorganisationen nicht einheitlich. Die Broschüre „Erste Hilfe am Kind“ von Johanniter und BARMER empfiehlt für Neugeborene und Babys die Bauchlage mit offenem Mund als tiefstem Punkt und leicht überstrecktem Kopf; das DRK nennt für bewusstlose Säuglinge und Kleinkinder die Seitenlage, sofern möglich. Beide Varianten verfolgen dasselbe Ziel: freie Atemwege und abfließende Flüssigkeit. Atmet ein Baby nicht normal, beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung – mehr dazu in Herzdruckmassage bei Kindern und Säuglingen.

Sonderfall Motorradfahrer: Helm abnehmen

Ein bewusstloser Motorradfahrer ist mit Helm akut erstickungsgefährdet; ohne Helmabnahme lässt sich die Atmung nicht prüfen. Das DGUV-Handbuch beschreibt die Helmabnahme mit zwei Helfern: Einer hält Helm und Kopf, der andere öffnet Visier und Kinnriemen, dann wird der Helm vorsichtig abgezogen. Anschließend Atmung prüfen und bei normaler Atmung die Seitenlage herstellen. Ist der Verletzte ansprechbar und klagt über Nackenschmerzen, bleibt der Helm nach Angaben des ASB auf, bis der Rettungsdienst da ist.

Hier weichen die Empfehlungen voneinander ab: Die internationalen ERC-Leitlinien 2025 raten nach Unfällen mit Verletzungsverdacht grundsätzlich von der Seitenlage ab und empfehlen die Rückenlage. Deutsche Organisationen wie DGUV, ASB und Johanniter beschreiben beim bewusstlosen, atmenden Motorradfahrer nach der Helmabnahme dagegen die Seitenlage. Folgen Sie im Zweifel den Anweisungen der Leitstelle am Telefon.

Notruf 112 richtig absetzen

Die 112 gilt europaweit einheitlich und ist kostenlos. Telefonanbieter müssen Notrufe unverzüglich an die zuständige Leitstelle weiterleiten und den Standort des Anrufers übermitteln; Smartphones senden ihn nach Angaben der Björn Steiger Stiftung automatisch mit (Advanced Mobile Location). Das DGUV-Handbuch gibt für den Anruf folgende Reihenfolge vor – bekannt als W-Fragen:

FrageWas Sie sagen
Wo ist der Notfall?möglichst genau: Ort, Straße, Hausnummer, Stockwerk, Zufahrt
Was ist geschehen?z. B. Person bewusstlos, atmet normal
Wie viele Betroffene?Anzahl der Verletzten oder Erkrankten
Welche Verletzungen oder Erkrankungen?was Sie sehen oder wissen
Warten auf Rückfragennicht auflegen, Rückfragen abwarten – die Leitstelle leitet bei Bedarf zur Wiederbelebung an

Rechtlich abgesichert helfen

Wer bei einem Unglücksfall nicht hilft, obwohl es erforderlich und zumutbar ist, macht sich nach § 323c StGB strafbar. Wer dagegen mit der gebotenen Sorgfalt hilft, bleibt straffrei, auch wenn nicht alles perfekt gelingt. Zivilrechtlich haften Ersthelfer nach den DGUV-Informationen grundsätzlich nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Außerdem sind sie automatisch und beitragsfrei gesetzlich unfallversichert. Mehr dazu in Defibrillator und Haftung.

Die häufigsten Irrtümer

Seitenlage, Wiederbelebung und AED im Zusammenhang

Die Seitenlage ist für Menschen mit erhaltener Atmung, der Defibrillator für Menschen im Kreislaufstillstand. Kippt der Zustand, verbinden sich beide: Person auf den Rücken, Herzdruckmassage, AED anschließen und den Sprachanweisungen folgen – das Gerät analysiert den Herzrhythmus und gibt nur bei Bedarf einen Schock frei. Warum das so wichtig ist, erklärt Kammerflimmern; wie der Notfall im Betrieb organisiert wird, Erste Hilfe im Betrieb. Öffentlich zugängliche Geräte finden Sie über Defibrillator in der Nähe.

Häufige Fragen

Wann macht man die stabile Seitenlage?
Wenn eine Person nicht reagiert, aber normal atmet. Atmet sie nicht normal oder nur schnappend, ist die Seitenlage falsch: Dann 112 wählen und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Nach Unfällen mit Verletzungsverdacht bleibt die Person nach den ERC-Leitlinien 2025 in Rückenlage.
Wie geht die stabile Seitenlage Schritt für Schritt?
Neben die Person knien, Beine strecken, nahen Arm rechtwinklig ablegen, fernen Arm über die Brust mit dem Handrücken an die Wange legen, fernes Bein beugen, die Person zu sich ziehen, oberes Bein rechtwinklig ausrichten, Kopf überstrecken und Mund öffnen, zudecken und die Atmung fortlaufend prüfen.
Auf welche Seite legt man jemanden in die stabile Seitenlage?
ERC, DRK und DGUV schreiben keine bestimmte Seite vor; entscheidend sind freie Atemwege. Schwangere sollen nach Empfehlung der Johanniter auf die linke Seite gedreht werden, damit die untere Hohlvene nicht abgedrückt wird.
Wie lagert man ein bewusstloses Baby?
Die Empfehlungen sind nicht einheitlich: Johanniter und BARMER nennen für Babys die Bauchlage mit offenem Mund und leicht überstrecktem Kopf, das DRK die Seitenlage, sofern möglich. Atmet das Baby nicht normal, sofort mit der Wiederbelebung beginnen und den Notruf 112 wählen.
Wie oft muss ich die Atmung in der Seitenlage prüfen?
Fortlaufend. Die Leitlinien nennen kein festes Intervall, sondern verlangen, Atmung und Bewusstsein ständig zu überwachen. Setzt die Atmung aus, die Person auf den Rücken drehen und mit der Wiederbelebung beginnen.
Welche W-Fragen gehören zum Notruf?
Zuerst: Wo ist der Notfall? Dann: Was ist geschehen? Wie viele Betroffene? Welche Verletzungen oder Erkrankungen? Anschließend nicht auflegen, sondern auf Rückfragen der Leitstelle warten.
Muss ich einem bewusstlosen Motorradfahrer den Helm abnehmen?
Ja, nach dem DGUV-Handbuch wegen akuter Erstickungsgefahr – am besten zu zweit, wobei einer Kopf und Helm stabilisiert. Ist der Verletzte ansprechbar und klagt über Nackenschmerzen, bleibt der Helm auf, bis der Rettungsdienst eintrifft.

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Quellen & weiterführende Informationen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, rechtliche oder betriebsorganisatorische Beratung. Inhaltlicher Stand: 17.09.2026.

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