HERZSICHERHEIT

AED richtig anwenden: Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Notfall

⏱ 11 Min. LesezeitKategorie: Themen-RatgeberAktualisiert: 09.08.2026
AED richtig anwenden: Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Notfall

Einen AED kann jeder Laie bedienen – das Gerät führt per Sprache und Grafik durch jeden Schritt. Diese Anleitung zeigt, wie Sie einen AED im Notfall richtig anwenden, von der Erkennung des Herz-Kreislauf-Stillstands bis zur Herzdruckmassage 30:2.

Zusammengestellt von der Handelsvertretung Steinbach & Gaukel – Vertrieb der Marke aluderm® / W. Söhngen GmbH. Die vorgestellten Geräte sind MDR-konform; der aluderm-AED A2 wird mit 8 Jahren Hersteller-Garantie geliefert.
Fachlich zusammengestellt für die Praxis · zuletzt aktualisiert 08/2026 · ersetzt keine medizinische Beratung.

Ein AED (Automatisierter Externer Defibrillator) macht es möglich, dass auch Laien im Notfall einen lebensrettenden Elektroschock abgeben können. Doch viele Menschen trauen sich nicht, das Gerät zu benutzen – aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei ist die Bedienung bewusst einfach gehalten: Das Gerät führt per Sprache und Grafik durch jeden Schritt. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie einen AED richtig anwenden – als klare Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Notfall. Wichtig vorweg: Der Einsatz eines AED kann die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem plötzlichen Herzstillstand deutlich erhöhen. Der einzige echte Fehler ist, nichts zu tun.

Inhaltsverzeichnis

Wann setze ich einen AED ein? Herz-Kreislauf-Stillstand erkennen

Ein AED gehört immer dann zum Einsatz, wenn ein Herz-Kreislauf-Stillstand vorliegt. Entscheidend sind zwei einfache Kriterien, die jeder Laie prüfen kann: Die Person ist bewusstlos und reagiert nicht, und sie atmet nicht normal. Sprechen Sie die Person laut an und rütteln Sie vorsichtig an den Schultern. Reagiert sie nicht, machen Sie die Atemwege frei, indem Sie den Kopf vorsichtig überstrecken und das Kinn anheben, und achten Sie höchstens zehn Sekunden auf die Atmung.

Vorsicht bei der Schnappatmung

Eine langsame, röchelnde oder schnappende Atmung – die sogenannte Schnappatmung – ist kein Lebenszeichen. Sie tritt in den ersten Minuten nach einem Herzstillstand häufig auf und verleitet Helfer dazu, fälschlich von einer normalen Atmung auszugehen. Behandeln Sie eine Schnappatmung immer wie einen Atemstillstand und handeln Sie sofort. Im Zweifel gilt: Reagiert die Person nicht und atmet sie nicht sichtbar und regelmäßig, beginnen Sie mit der Rettungskette und holen Sie einen AED.

Der AED entscheidet selbst

Sie müssen als Laie nicht beurteilen, ob tatsächlich ein defibrillierbarer Rhythmus vorliegt. Diese Analyse übernimmt der AED. Er misst den Herzrhythmus über die Elektroden und gibt einen Schock ausschließlich dann frei, wenn er medizinisch sinnvoll ist. Ihre Aufgabe ist es, das Gerät anzulegen und den Ansagen zu folgen. Vertiefende Hintergründe zur Funktionsweise finden Sie im großen Defibrillator-Ratgeber.

Die 6 Schritte im Detail

Die Anwendung eines AED lässt sich in sechs klar abgegrenzte Schritte gliedern. Halten Sie sich an diese Reihenfolge, dann geht im Ernstfall nichts durcheinander. Das Gerät begleitet Sie zusätzlich mit Sprach- und Grafikansagen.

  1. Notruf absetzen und AED holen lassen: Wählen Sie – oder lassen Sie jemanden – den Notruf 112 wählen und schalten Sie das Telefon auf Lautsprecher. Schicken Sie eine zweite Person los, um den nächsten AED zu holen. Beginnen Sie parallel sofort mit der Herzdruckmassage, wenn Sie allein sind, und unterbrechen Sie sie nur, um den AED anzuschließen.
  2. AED einschalten: Öffnen Sie das Gerät und drücken Sie die Einschalttaste – bei manchen Modellen startet der AED automatisch beim Öffnen des Deckels. Ab jetzt führt Sie die Sprachansage durch jeden weiteren Schritt. Hören Sie ruhig zu und folgen Sie den Anweisungen.
  3. Oberkörper frei machen: Entfernen Sie die Kleidung vom Brustkorb der betroffenen Person vollständig. Die Elektroden müssen direkten Hautkontakt haben. Öffnen oder durchtrennen Sie enge Kleidung, entfernen Sie einen BH-Bügel und trocknen Sie eine nasse oder schweißige Brust kurz ab.
  4. Elektroden platzieren: Kleben Sie die beiden Klebeelektroden gemäß dem aufgedruckten Bild auf den nackten Brustkorb – eine unterhalb des rechten Schlüsselbeins, die andere seitlich unter der linken Achsel. Drücken Sie die Elektroden fest an, damit sie flächig haften.
  5. Analyse abwarten und Schock zulassen: Sobald die Elektroden kleben, analysiert der AED den Herzrhythmus. Berühren Sie die Person während der Analyse nicht. Fordert das Gerät zum Schock auf, sorgen Sie dafür, dass niemand die Person berührt. Ein halbautomatischer AED verlangt jetzt einen Knopfdruck; ein Vollautomat gibt den Schock nach der Warnung selbstständig ab.
  6. Sofort weiter Herzdruckmassage 30:2: Unmittelbar nach dem Schock – oder wenn kein Schock empfohlen wird – beginnen Sie sofort wieder mit der Herzdruckmassage im Verhältnis 30 Kompressionen zu 2 Beatmungen. Der AED zählt weiter und fordert nach etwa zwei Minuten die nächste Analyse an. Lassen Sie die Elektroden dabei aufgeklebt.

Diese Abfolge wiederholt sich in Zyklen, bis der Rettungsdienst übernimmt oder die Person wieder normal atmet. Wie die Herzdruckmassage im Detail funktioniert, erklärt der Ratgeber Reanimation und Wiederbelebung.

Elektroden richtig platzieren

Die richtige Position der Elektroden entscheidet darüber, ob der Stromstoß das Herz optimal erreicht. Auf jeder Elektrode ist die vorgesehene Klebestelle als Bild aufgedruckt – im Zweifel ist dieses Bild immer die verlässlichste Orientierung.

Die Standardposition (anterolateral)

Die erste Elektrode kommt auf die rechte obere Brusthälfte, direkt unterhalb des Schlüsselbeins neben das Brustbein. Die zweite Elektrode kommt auf die linke seitliche Brustwand, etwa eine Handbreit unter der Achselhöhle. So verläuft der Strom quer durch den Brustkorb und damit durch das Herz. Achten Sie darauf, dass die Elektroden vollflächig haften und sich keine Falten oder Luftblasen bilden.

Elektroden nicht überlappen

Die beiden Elektroden dürfen sich niemals berühren oder überlappen. Bei sehr kleinen Brustkörben – etwa bei Kindern – kann es deshalb nötig sein, eine Elektrode auf die Brustmitte und die andere auf den Rücken zu kleben (anterior-posterior). Diese alternative Position wird auf entsprechenden Kinderelektroden ebenfalls abgebildet.

Besonderheiten: Kinder, nasse und behaarte Haut, Implantate

Einige Situationen erfordern kleine Anpassungen. Sie sind schnell erklärt und sollten Sie nie vom Einsatz des AED abhalten.

Kinder und Säuglinge (Kindermodus)

Für Kinder unter etwa acht Jahren oder 25 kg Körpergewicht sollte die Energie reduziert werden. Viele Geräte bieten dafür einen Kindermodus oder eine Kindertaste, teils auch spezielle Kinderelektroden. Ist beides nicht vorhanden, verwenden Sie den AED im normalen Modus – ein Schock mit Erwachsenenenergie ist bei einem Kind immer besser als gar kein Schock. Der aluderm-AED A2 verfügt laut Herstellerangaben über eine Kindertaste für die Reanimation von Kleinkindern.

Nasse Haut

Wasser leitet Strom und kann den Schock über die Hautoberfläche ableiten. Trocknen Sie den Brustkorb vor dem Aufkleben der Elektroden kurz ab. Befindet sich die Person in einer Wasserpfütze, ziehen Sie sie zuvor auf eine trockene Fläche.

Stark behaarte Brust

Auf sehr behaarter Haut haften die Elektroden schlecht, und der Kontakt leidet. Rasieren Sie die Klebestellen bei Bedarf schnell frei – ein Einwegrasierer gehört deshalb in jedes AED-Zubehör, etwa im passenden Rea-Set. Notfalls kleben Sie ein erstes Elektrodenpaar auf, ziehen es ruckartig ab, um Haare zu entfernen, und kleben ein zweites, frisches Paar auf.

Implantate und Herzschrittmacher

Ist unter der Haut ein Herzschrittmacher oder Defibrillator (als kleine Wölbung meist unterhalb des Schlüsselbeins) tastbar, kleben Sie die Elektrode einige Zentimeter daneben – niemals direkt darüber. Auch Medikamentenpflaster auf der Brust entfernen Sie vor dem Aufkleben und wischen die Stelle ab. Der Einsatz des AED bleibt in beiden Fällen richtig und geboten.

Zusammenarbeit im Zwei-Helfer-Team

Sind zwei oder mehr Helfer vor Ort, teilen Sie die Aufgaben auf – das spart wertvolle Sekunden und hält die Herzdruckmassage möglichst ununterbrochen.

Ein klar angesagtes „Weg von der Person!" vor jeder Analyse und Schockabgabe verhindert, dass sich jemand ungewollt einen Stromstoß einfängt. Sprechen Sie laut und deutlich, damit alle Beteiligten reagieren können.

Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

Aus der Praxis sind einige typische Fehler bekannt. Wer sie kennt, umgeht sie im Ernstfall fast automatisch. Die folgende Tabelle stellt die häufigsten Stolpersteine dem richtigen Vorgehen gegenüber.

Häufiger FehlerRichtig machen
Aus Angst gar nicht handelnSofort anfangen – der AED analysiert selbst und schadet nicht.
Herzdruckmassage lange unterbrechenNur für Analyse und Schock kurz pausieren, sonst durchdrücken.
Elektroden auf Kleidung oder nasse Haut klebenOberkörper frei machen und die Klebestellen abtrocknen.
Elektroden falsch oder überlappend platzierenNach dem aufgedruckten Bild kleben, Abstand einhalten.
Während der Analyse die Person berührenAlle zurücktreten, laut „Weg von der Person!" ansagen.
Nach dem Schock auf Reaktion wartenSofort weiter Herzdruckmassage 30:2 – ohne Verzögerung.
Elektroden über einem Herzschrittmacher aufklebenEinige Zentimeter neben das tastbare Implantat kleben.

Ob ein voll- oder halbautomatisches Gerät zum Einsatz kommt, ändert an diesen Grundregeln nichts. Die Unterschiede beider Bauarten erklärt der Ratgeber Vollautomatischer oder halbautomatischer Defibrillator.

Zusammenspiel mit der Reanimation

Der AED ersetzt die Herzdruckmassage nicht – er ergänzt sie. Beide Maßnahmen greifen ineinander und bilden zusammen die wirksamste Hilfe, die Laien leisten können.

Zuerst und immer: Herzdruckmassage

Bis der AED bereit ist, hat die Herzdruckmassage Vorrang. Drücken Sie auf die Mitte des Brustkorbs, etwa 5 bis 6 cm tief, mit einer Frequenz von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Warten Sie niemals mit dem Drücken, nur weil ein AED unterwegs ist. Sobald das Gerät da ist, wird es angelegt, während – wenn möglich – weiter gedrückt wird.

Der Rhythmus aus Drücken und Schock

Nach jeder Schockabgabe oder jeder „Kein Schock empfohlen"-Ansage folgen unmittelbar zwei Minuten Herzdruckmassage im Verhältnis 30:2, bevor der AED erneut analysiert. Moderne Geräte unterstützen diesen Takt mit einem HLW-Metronom und Sprachhinweisen zur Drucktiefe. So bleibt der Ablauf auch für ungeübte Helfer nachvollziehbar.

Durchhalten bis zur Übergabe

Setzen Sie die Zyklen aus Analyse, gegebenenfalls Schock und Herzdruckmassage so lange fort, bis der Rettungsdienst übernimmt, die Person sich sichtbar erholt und normal zu atmen beginnt oder Sie körperlich nicht mehr können. Ein unverbindliches Angebot zu einem passenden AED und dem nötigen Zubehör lässt sich jederzeit über die Produktübersicht anfordern. Am sichersten fühlen sich Helfer, die den Ablauf einmal in einem Erste-Hilfe-Kurs geübt haben – regelmäßiges Training nimmt im Ernstfall die entscheidende Hemmung.

Häufige Fragen

Wann darf ich einen AED einsetzen?
Immer dann, wenn eine Person bewusstlos ist, nicht reagiert und nicht normal atmet. Eine röchelnde Schnappatmung gilt nicht als normale Atmung. Ob wirklich ein schockbarer Rhythmus vorliegt, entscheidet der AED selbst über seine Analyse – Sie müssen das nicht beurteilen.
Kann ich mit einem AED jemandem schaden?
Nein. Der AED analysiert den Herzrhythmus und gibt einen Schock ausschließlich dann frei, wenn er medizinisch sinnvoll ist. Liegt kein schockbarer Rhythmus vor, löst das Gerät nicht aus. Falsch machen kann man vor allem, gar nicht zu handeln.
Wohin gehören die Elektroden genau?
Eine Elektrode kommt unterhalb des rechten Schlüsselbeins neben das Brustbein, die zweite seitlich etwa eine Handbreit unter der linken Achsel. Kleben Sie immer nach dem auf der Elektrode aufgedruckten Bild und achten Sie darauf, dass sich die Elektroden nicht berühren.
Was mache ich bei behaarter oder nasser Brust?
Trocknen Sie nasse Haut vor dem Aufkleben kurz ab. Auf stark behaarter Haut rasieren Sie die Klebestellen frei oder ziehen ein erstes, aufgeklebtes Elektrodenpaar ruckartig ab, um Haare zu entfernen, und kleben ein frisches Paar auf.
Gibt es Besonderheiten bei Kindern?
Für kleine Kinder sollte die Energie reduziert werden – über einen Kindermodus, eine Kindertaste oder spezielle Kinderelektroden. Fehlt das, verwenden Sie den AED im normalen Modus: Ein Schock mit Erwachsenenenergie ist besser als kein Schock. Bei sehr kleinem Brustkorb kann eine Elektrode auf den Rücken kommen.
Ersetzt der AED die Herzdruckmassage?
Nein, er ergänzt sie. Bis der AED bereit ist und nach jedem Schock hat die Herzdruckmassage Vorrang: 5 bis 6 cm tief, 100 bis 120 Kompressionen pro Minute, im Verhältnis 30:2. Warten Sie nie mit dem Drücken, nur weil ein AED unterwegs ist.

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Quellen & weiterführende Informationen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, rechtliche oder Förderberatung. Inhaltlicher Stand: 09.08.2026.

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