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Kammerflimmern: was im Herzen passiert und warum jede Minute zählt

⏱ 10 Min. LesezeitKategorie: Themen-RatgeberAktualisiert: 16.09.2026
Kammerflimmern: was im Herzen passiert und warum jede Minute zählt
Kurz beantwortet: Kammerflimmern (Herzkammerflimmern) ist eine akut lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung: Die Herzkammern zucken nur noch chaotisch und pumpen kein Blut mehr – das ist ein Herz-Kreislauf-Stillstand, die Betroffenen werden innerhalb von Sekunden bewusstlos. Helfen können nur sofortige Herzdruckmassage und ein Stromstoß mit einem Defibrillator. Mit jeder Minute ohne Defibrillation sinken die Erfolgsaussichten um 3 bis 6 Prozent.

Kammerflimmern ist die häufigste Ursache des plötzlichen Herztods – und zugleich genau die Situation, für die ein Laien-Defibrillator gebaut ist. Dieser Beitrag erklärt verständlich, was dabei im Herzen passiert, woran Helfer den Notfall erkennen, wie Kammerflimmern im EKG aussieht und warum ein AED bei manchen Herzstillständen einen Schock abgibt und bei anderen nicht.

Zusammengestellt vom Vertriebspartner Steinbach & Gaukel – Vertrieb der Marke aluderm® / W. Söhngen GmbH. Die vorgestellten Geräte sind MDR-konform; der aluderm-AED A2 wird mit 8 Jahren Hersteller-Garantie geliefert. Die Geräte sind zum Kauf und zur monatlichen Miete erhältlich; Wartung und Service erbringen wir gemeinsam mit unserem Partner TÜV SÜD.
Fachlich zusammengestellt für die Praxis · zuletzt aktualisiert 09/2026 · ersetzt keine medizinische Beratung.

Die Angaben stützen sich auf die Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) 2025 in der deutschen Fassung des German Resuscitation Council (GRC), auf medizinische Nachschlagewerke und auf den Jahresbericht 2025 des Deutschen Reanimationsregisters. Der Beitrag dient der allgemeinen Information: Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Wer Beschwerden wie Herzrasen, Brustschmerz oder Ohnmachtsanfälle hat, sollte diese ärztlich abklären lassen – im akuten Notfall über die 112.

Was ist Kammerflimmern?

Beim Kammerflimmern ist die elektrische Erregung der Herzkammern völlig ungeordnet. Statt eines gleichmäßigen Taktes laufen chaotische Impulse mit mehr als 320 Erregungen pro Minute durch den Herzmuskel. Die Kammern ziehen sich nicht mehr gemeinsam zusammen, sondern „beben“ nur noch – sie pumpen kein Blut mehr in den Körper.

Medizinisch ist das ein Herz-Kreislauf-Stillstand. Weil das Gehirn keinen Sauerstoff mehr bekommt, werden die Betroffenen innerhalb von Sekunden bewusstlos. Nach etwa fünf Minuten ohne Kreislauf drohen bleibende Hirnschäden. Von selbst endet Kammerflimmern in aller Regel nicht; unbehandelt geht es nach einigen Minuten in eine Asystolie über, also einen Stillstand ohne jede elektrische Aktivität.

Nach Angaben von herzmedizin.de ist Kammerflimmern die Hauptursache des plötzlichen Herztods. Der Begriff Herzkammerflimmern meint dasselbe; in Fachtexten liest man auch die Abkürzung VF für das englische „ventricular fibrillation“.

Anzeichen: Woran Helfer den Notfall erkennen

Für Laien ist nicht das Kammerflimmern selbst sichtbar, sondern seine Folge: der Kreislaufstillstand. Die ERC-Leitlinien 2025 geben dafür eine einfache Regel: Reagiert eine Person nicht und atmet sie nicht normal, ist von einem Kreislaufstillstand auszugehen. Nicht normal ist auch eine langsame, mühsame oder schnappende Atmung – die sogenannte Schnappatmung wird oft fälschlich als Lebenszeichen gedeutet. Zu Beginn kann es zu einem kurzen Krampfanfall kommen. Im Zweifel gilt: mit der Wiederbelebung beginnen.

Manchmal kündigt sich das Ereignis an. Als mögliche Warnzeichen nennt herzmedizin.de Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel, Herzrasen und Bewusstlosigkeit im Sitzen oder Liegen. Eine US-amerikanische Studie mit 35- bis 65-Jährigen fand bei etwa der Hälfte der Betroffenen mindestens ein solches Warnzeichen in den Stunden oder Tagen vorher, am häufigsten Brustschmerz. Solche Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt – bei akuten Beschwerden über den Notruf 112.

Ursachen: Was Kammerflimmern auslöst

Die häufigste Grundlage ist eine koronare Herzkrankheit, oft im Zusammenhang mit einem Herzinfarkt; herzmedizin.de führt etwa zwei Drittel der plötzlichen Herztode auf einen Herzinfarkt zurück. Daneben nennen die Nachschlagewerke MSD Manual und AMBOSS unter anderem:

In manchen Fällen bleibt die Ursache unklar. Für Helfer spielt das im Moment des Notfalls keine Rolle: Das Vorgehen ist immer dasselbe.

Kammerflimmern im EKG

Im Elektrokardiogramm zeigt Kammerflimmern unregelmäßige, sehr schnelle Wellen mit wechselnder Form und Höhe. Die sonst deutlich erkennbaren QRS-Komplexe – die spitzen Ausschläge, die für die Kammererregung stehen – lassen sich nicht mehr abgrenzen. Je nach Größe der Ausschläge unterscheidet man grobes und feines Kammerflimmern; eine Frequenzmessung ist bei der chaotischen Aktivität nicht sinnvoll.

Normaler SinusrhythmusKammerflimmern – defibrillierbarAsystolie („Nulllinie“) – kein Schock
Schematische Darstellung zur Veranschaulichung, kein echtes EKG und nicht zur Diagnose geeignet.

Ein Laien-AED übernimmt diese Beurteilung vollständig: Er zeichnet den Rhythmus über die aufgeklebten Elektroden auf und wertet ihn automatisch aus. Helfer müssen kein EKG lesen können.

Ventrikuläre Tachykardie, Kammerflattern und Kammerflimmern

Eng verwandt sind zwei weitere Rhythmusstörungen der Herzkammern. Bei der ventrikulären Tachykardie (VT) schlagen die Kammern aus einem eigenen Taktgeber heraus zu schnell – nach der Definition im MSD Manual mindestens drei aufeinanderfolgende Kammerschläge mit 120 oder mehr pro Minute; hält sie 30 Sekunden oder länger an, gilt sie als anhaltend. Im EKG sind die Kammerkomplexe noch geordnet, aber verbreitert. Die Beschwerden reichen von gar keinen über Herzklopfen bis zum Kreislaufzusammenbruch.

Entscheidend ist, ob noch ein Puls tastbar ist. Pumpt das Herz bei einer VT kein Blut mehr, spricht man von einer pulslosen VT – sie ist wie Kammerflimmern ein Kreislaufstillstand und wird ebenfalls mit einem Stromstoß behandelt. Das Kammerflattern mit etwa 250 bis 320 Erregungen pro Minute liegt dazwischen und kann fließend in Kammerflimmern übergehen.

Für Helfer ändert keine dieser Unterscheidungen etwas: Wer nicht reagiert und nicht normal atmet, bekommt Herzdruckmassage und einen AED. Das Gerät erkennt selbst, ob ein Schock angezeigt ist.

Defibrillierbarer Rhythmus – und wann kein Schock hilft

Ein Defibrillator gibt einen kurzen, starken Stromstoß ab, der möglichst viele Herzmuskelzellen gleichzeitig erregt. Damit wird die chaotische Aktivität unterbrochen, und der natürliche Taktgeber des Herzens, der Sinusknoten, kann den Rhythmus wieder übernehmen. Das funktioniert nur bei defibrillierbaren Rhythmen: Kammerflimmern und pulslose VT. Welche Rhythmen das im Einzelnen sind, wie häufig sie in Deutschland vorkommen und was bei Schrittmacher, Kindern oder Nässe zu beachten ist, behandelt der Ratgeber Defibrillierbare Rhythmen. Bei der Asystolie – der „Nulllinie“ – und der pulslosen elektrischen Aktivität (PEA) ist eine Defibrillation nicht wirksam; vereinfacht gesagt gibt es dort keine chaotische Erregung, die ein Schock ordnen könnte. Hier zählen die Herzdruckmassage und die Behandlung durch den Rettungsdienst.

Wie sich die Rhythmen in Deutschland verteilen, zeigt der Jahresbericht 2025 des Deutschen Reanimationsregisters für den ersten vom Rettungsdienst abgeleiteten EKG-Rhythmus:

RhythmusWas im Herzen passiertSchock sinnvoll?Anteil erster Rhythmus 2025
Kammerflimmern / pulslose VTchaotische bzw. zu schnelle Kammererregung ohne Pumpleistungja – defibrillierbar21,1 %
Asystoliekeine elektrische und mechanische Herzaktion, Nulllinienein – Herzdruckmassage fortsetzen55,3 %
Pulslose elektrische Aktivität (PEA)elektrische Aktivität im EKG, aber kein Kreislaufnein – Herzdruckmassage fortsetzen23,6 %

Was der AED dabei tut

Ein automatisierter externer Defibrillator analysiert den Herzrhythmus und gibt nur dann einen Schock frei, wenn ein defibrillierbarer Rhythmus vorliegt. Braucht es keinen Schock, fordert das Gerät dazu auf, mit der Herzdruckmassage weiterzumachen. Die Entscheidung, ob ein Schock sinnvoll ist, müssen Helfer also nicht selbst treffen – sie folgen den Ansagen des Geräts. Dass der Anteil defibrillierbarer Rhythmen beim Eintreffen des Rettungsdienstes nur bei gut einem Fünftel liegt, hat auch mit der Zeit zu tun: Kammerflimmern geht unbehandelt in eine Asystolie über. Je früher ein AED am Patienten ist, desto eher trifft er noch auf einen Rhythmus, den ein Schock beenden kann.

Die aluderm-AED A1 und A2 arbeiten halbautomatisch: Sie analysieren selbst und fordern bei einem defibrillierbaren Rhythmus per Sprach- und Grafikansage dazu auf, den Schock per Tastendruck auszulösen. Wie das im Ablauf aussieht, zeigt der Ratgeber AED richtig anwenden; den Unterschied der Bauarten erklärt vollautomatisch oder halbautomatisch.

Warum jede Minute zählt

Die Erfolgsaussichten der Defibrillation sinken mit jeder Minute Kammerflimmern um 3 bis 6 Prozent – das nennen sowohl das MSD Manual als auch das DocCheck Flexikon. Der GRC betont, dass die ersten drei bis fünf Minuten eines Kreislaufstillstands entscheidend sind. Diese Zeit überbrücken vor allem die Menschen, die zufällig dabei sind.

Der Jahresbericht 2025 des Deutschen Reanimationsregisters zeigt, wo Deutschland steht: Hochgerechnet begann der Rettungsdienst bei mindestens 59.800 Menschen eine Reanimation, das sind 71,6 Fälle pro 100.000 Einwohner. An den Referenzstandorten hatten Laien in 53,5 Prozent der Fälle bereits mit der Wiederbelebung begonnen, in 38,4 Prozent leitete die Leitstelle telefonisch an. Lebend aus dem Krankenhaus entlassen wurden dort 10,9 Prozent.

Was Helfer tun: Prüfen, Rufen, Drücken, AED

  1. Prüfen: Ansprechen, an den Schultern rütteln. Keine Reaktion und keine normale Atmung bedeuten Kreislaufstillstand.
  2. Rufen: 112 wählen und den Lautsprecher einschalten – die Leitstelle leitet an. Umstehende losschicken, um den nächsten AED zu holen.
  3. Drücken: Herzdruckmassage auf der unteren Hälfte des Brustbeins, mindestens 5 und höchstens 6 Zentimeter tief, 100- bis 120-mal pro Minute. Unterbrechungen so kurz wie möglich halten.
  4. AED: Sobald er da ist, einschalten, die Elektroden aufkleben und den Anweisungen des Geräts folgen.

Alle Details zur Technik stehen im Beitrag Herzdruckmassage richtig durchführen, der gesamte Ablauf in Reanimation und Wiederbelebung. Wo in der Nähe ein Gerät hängt, zeigt Defibrillator in der Nähe finden.

Kammerflimmern oder Vorhofflimmern?

Die Namen klingen ähnlich, die Folgen sind grundverschieden. Beim Vorhofflimmern flimmern die Vorhöfe; das Herz schlägt dauerhaft unregelmäßig und oft zu schnell, pumpt aber weiter. Laut gesundheitsinformation.de ist es nicht unmittelbar lebensbedrohlich – die größte Gefahr ist ein Schlaganfall durch Blutgerinnsel. Betroffen sind etwa zwei Prozent der Bevölkerung, bei den über 65-Jährigen rund acht Prozent. Kammerflimmern dagegen ist ein Herzstillstand und ohne sofortige Hilfe tödlich.

Nach überlebtem Kammerflimmern

Im Krankenhaus wird nach der Ursache gesucht und diese behandelt, etwa ein Herzinfarkt oder eine Elektrolytstörung. Hinzu kommen je nach Befund Medikamente, die den Rhythmus stabilisieren. Besteht ein Risiko für erneutes Kammerflimmern und lässt sich die Ursache nicht beheben, kommt ein implantierter Defibrillator (ICD) in Betracht, der künftige Episoden selbst erkennt und beendet. Diese Entscheidungen treffen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte.

Was das für Betriebe, Vereine und Kommunen bedeutet

Kammerflimmern kann jeden treffen – auch Menschen ohne bekannte Herzerkrankung. Weil der Rettungsdienst selten innerhalb der ersten Minuten vor Ort sein kann, entscheidet oft ein Gerät in der Nähe. Sinnvoll sind AED dort, wo viele Menschen zusammenkommen oder körperlich gefordert sind: in Betrieben, Sportstätten, Schulen, Arztpraxen, Hotels und öffentlichen Gebäuden. Wie Sie einen Standort planen, zeigt AED-Standort; was die Anschaffung kostet, Was kostet ein Defibrillator?

Häufige Fragen

Was ist Kammerflimmern?
Kammerflimmern ist eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, bei der die Herzkammern mit mehr als 320 chaotischen Erregungen pro Minute nur noch zucken und kein Blut mehr pumpen. Es handelt sich um einen Herz-Kreislauf-Stillstand; die Betroffenen werden innerhalb von Sekunden bewusstlos.
Kann man Kammerflimmern überleben?
Ja, wenn schnell gehandelt wird: sofortige Herzdruckmassage und ein Stromstoß mit einem Defibrillator. Die Erfolgsaussichten der Defibrillation sinken mit jeder Minute um 3 bis 6 Prozent. In Deutschland wurden 2025 an den Referenzstandorten des Reanimationsregisters 10,9 Prozent der Reanimierten lebend aus dem Krankenhaus entlassen.
Wie sieht Kammerflimmern im EKG aus?
Als unregelmäßige, sehr schnelle Wellen mit wechselnder Form und Höhe, ohne abgrenzbare QRS-Komplexe. Nach der Größe der Ausschläge unterscheidet man grobes und feines Kammerflimmern. Ein Laien-AED wertet den Rhythmus automatisch aus.
Was ist der Unterschied zwischen Kammerflimmern und Asystolie?
Beim Kammerflimmern ist die elektrische Aktivität chaotisch, ein Stromstoß kann sie unterbrechen. Bei der Asystolie fehlt jede elektrische Herzaktion, im EKG zeigt sich eine Nulllinie; eine Defibrillation ist dann nicht wirksam, es wird mit Herzdruckmassage weitergemacht.
Ist eine ventrikuläre Tachykardie dasselbe wie Kammerflimmern?
Nein. Bei der ventrikulären Tachykardie schlagen die Kammern zu schnell, aber noch geordnet. Wird dabei kein Blut mehr gepumpt, spricht man von einer pulslosen VT – sie wird wie Kammerflimmern mit einem Schock behandelt.
Gibt ein AED bei jedem Herzstillstand einen Schock ab?
Nein. Der AED analysiert den Rhythmus und gibt einen Schock nur bei Kammerflimmern oder pulsloser VT frei. Bei Asystolie oder pulsloser elektrischer Aktivität fordert er dazu auf, die Herzdruckmassage fortzusetzen.
Was ist der Unterschied zwischen Kammerflimmern und Vorhofflimmern?
Vorhofflimmern betrifft die Vorhöfe, das Herz pumpt weiter; es ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, erhöht aber das Schlaganfallrisiko. Kammerflimmern betrifft die Hauptkammern und ist ein Herzstillstand, der sofortige Hilfe braucht.

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Quellen & weiterführende Informationen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, rechtliche oder betriebsorganisatorische Beratung. Inhaltlicher Stand: 16.09.2026.

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