Defibrillierbare Rhythmen: wann ein AED schockt und wann nicht

Ein Ersthelfer muss keinen Herzrhythmus erkennen. Er muss nur das Gerät anlegen. Diese Seite erklärt trotzdem, was dabei passiert — weil das Wissen die Hemmschwelle senkt und weil Betreiber wissen sollten, was ihr Gerät kann und was nicht.
Fachlich zusammengestellt für die Praxis · zuletzt aktualisiert 09/2026 · ersetzt keine medizinische Beratung.
Vier Rhythmen können bei einem Kreislaufstillstand vorliegen. Zwei davon lassen sich mit einem Stromstoß beenden, zwei nicht. Welche das sind, wie häufig sie in Deutschland vorkommen und warum die Unterscheidung für den Helfer vor Ort keine Rolle spielt, steht hier — samt der Sonderfälle, bei denen beim AED-Einsatz etwas zu beachten ist.
Die vier Rhythmen im Überblick
Die ERC-Leitlinien 2025 teilen den Kreislaufstillstand in zwei Gruppen: „Ein Kreislaufstillstand geht entweder mit schockbaren Rhythmen (VF/pVT) oder mit nicht-schockbaren Rhythmen (Asystolie und PEA) einher.“
| Rhythmus | Was im Herzen passiert | Schock? |
|---|---|---|
| Kammerflimmern (VF) | Die Herzmuskelzellen ziehen sich zwar zusammen, aber viel zu schnell und völlig unkoordiniert — das Herz pumpt kein Blut mehr. | Ja |
| Pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT) | Sehr schneller, aus den Herzkammern stammender Rhythmus ohne wirksamen Auswurf; kein tastbarer Puls. | Ja |
| Asystolie | Keine elektrische Aktivität mehr, die Herzmuskelzellen ziehen sich nicht mehr zusammen — das Herz steht still. | Nein |
| Pulslose elektrische Aktivität (PEA) | Elektrisch geordnete Aktivität, ohne dass das Herz Blut auswirft. | Nein |
Warum ein Schock bei Asystolie nicht hilft
Ein Defibrillator startet kein Herz. Er tut das Gegenteil: Er unterbricht mit einem kurzen Stromstoß die chaotische elektrische Aktivität, damit der körpereigene Taktgeber wieder übernehmen kann. Das IQWiG beschreibt es für Laien so, dass bei Kammerflimmern die Zellen noch zucken, bei Asystolie dagegen still stehen — „bei Asystolie hilft nur Herzdruckmassage“.
Wo nichts mehr zu unterbrechen ist, bleibt der Schock also wirkungslos. Genau deshalb gibt ein AED in diesen Fällen keinen frei, sondern fordert zur Herzdruckmassage auf. Die ERC-Leitlinien 2025 formulieren die Anweisung an den Helfer knapp: „Wenn kein Schock angezeigt ist, sofort mit den Thoraxkompressionen fortfahren.“
Die Herzdruckmassage ist in dieser Situation nicht der schwächere Ersatz, sondern die eigentliche Therapie: Sie hält Gehirn und Herzmuskel mit Sauerstoff versorgt, bis der Rettungsdienst eintrifft — und sie kann eine Asystolie unter Umständen in einen Rhythmus überführen, der doch noch schockbar ist.
Wie häufig defibrillierbare Rhythmen in Deutschland sind
Das Deutsche Reanimationsregister hat für 2024 die Erstrhythmen von 27.009 außerklinischen Reanimationen aus 198 Rettungsdiensten ausgewertet:
| Erstrhythmus | Anteil (Deutschland 2024) | Schockbar |
|---|---|---|
| Asystolie | 56,3 % | Nein |
| Kammerflimmern / pulslose VT | 22,5 % | Ja |
| Pulslose elektrische Aktivität (PEA) | 21,1 % | Nein |
Was diese Zahlen bedeuten
Europaweit liegt der Anteil in derselben Größenordnung: Die ERC-Leitlinien 2025 sprechen von „etwa einem von fünf Patienten“ mit schockbarem Rhythmus, mit erheblichen Unterschieden zwischen den Ländern — von 11,4 bis 36,8 Prozent. Der Anteil sinkt seit Jahren; in Schweden fiel er von 39,5 Prozent im Jahr 1990 auf 17,4 Prozent im Jahr 2020.
Nun könnte man daraus schließen, ein AED helfe ja nur in jedem fünften Fall. Die entscheidende Gegenzahl steht in den ERC-Leitlinien 2025 zu den erweiterten Maßnahmen: „Obwohl eine Defibrillation nur in etwa 20 % der Kreislaufstillstände angezeigt ist, weisen mehr als 80 % derjenigen, die überleben, einen schockbaren Rhythmus auf.“
Anders gesagt: Die schockbare Minderheit stellt die große Mehrheit der Überlebenden. Wer in diese Gruppe fällt, hat eine echte Chance — und nur der AED kann sie einlösen.
Die europäische Vergleichsgruppe, an der Rettungssysteme gemessen werden (beobachteter Zusammenbruch mit schockbarem Erstrhythmus), erreichte 2022 in Europa eine Überlebensrate von 30 Prozent, in Dänemark, den Niederlanden, Schweden, Tschechien und Norwegen über 40 Prozent. Über alle Reanimationen hinweg liegt die europäische Überlebensrate dagegen bei 7,5 Prozent.
Wie schnell die Chance sinkt
Hier ist eine Korrektur angebracht, die man selten liest. In vielen Texten steht, die Überlebenschance sinke pro Minute um zehn Prozent. Diese Zahl findet sich in den aktuellen Leitlinien nicht.
Die ERC-Leitlinien 2025 formulieren es so: „Bei Patienten mit einem schockbaren Rhythmus ist jede Minute Verzögerung bis zur Defibrillation mit einer um 6 % höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, das Kammerflimmern nicht zu beenden, und mit einer um 3 bis 6 % geringeren Wahrscheinlichkeit, bis zur Entlassung zu überleben.“ Die deutsche Leitlinienfassung von 2021 nennt 3 bis 5 Prozent.
Die Zahl ist kleiner als der verbreitete Wert und trotzdem dramatisch: Der Rettungsdienst braucht in Deutschland je nach Region im Mittel acht bis zwölf Minuten. In dieser Zeit entscheidet sich, ob ein Gerät vor Ort erreichbar war.
Und genau daran hapert es. 2024 wurde in Deutschland bei nur 2,0 Prozent der außerklinischen Reanimationen vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes defibrilliert — bei einer Laienreanimationsquote von 52 Prozent. Es wird also gedrückt, aber praktisch nicht geschockt.
Warum der AED trotzdem immer angelegt wird
Der Helfer trifft keine Entscheidung über den Rhythmus. Die ERC-Leitlinien 2025 stellen dazu fest: „AEDs interpretieren den Herzrhythmus zuverlässig und sind in der Anwendung durch Laien sicher und wirksam.“ Sobald das Gerät da ist, wird es angeschlossen — die Analyse übernimmt es selbst und gibt einen Schock nur frei, wenn der Rhythmus schockbar ist.
Auch die Sorge, sich selbst zu gefährden, entkräften die Leitlinien: „Das Risiko eines Schadens für Helfer durch einen versehentlichen Schock bei der AED-Anwendung ist gering.“
Der aluderm-AED A2 arbeitet wie alle Laiengeräte halbautomatisch: Er analysiert den Rhythmus, und wenn ein Schock angezeigt ist, fordert er per Sprach- und Grafikansage dazu auf, ihn per Tastendruck auszulösen. Die Entscheidung, ob geschockt wird, trifft das Gerät; die Auslösung bleibt beim Helfer. Den Unterschied zu Vollautomaten erklärt Vollautomat oder Halbautomat.
Sonderfälle: worauf beim Einsatz zu achten ist
Es gibt keine Situation, in der man einen Menschen ohne Kreislauf lieber nicht defibrilliert. Es gibt aber einige Punkte, die die Wirksamkeit sichern oder Schäden vermeiden.
| Situation | Was zu tun ist | Quelle |
|---|---|---|
| Nasse Person oder nasser Untergrund | Person auf eine trockene Unterlage legen, Oberkörper abtrocknen | DGUV Muster-Betriebsanweisung AED |
| Starke Brustbehaarung | Klebestellen bei Bedarf rasieren, damit die Elektroden haften | DGUV; ERC 2025 |
| Medikamentenpflaster auf dem Oberkörper | Pflaster entfernen, bevor die Elektroden aufgeklebt werden | DGUV Information 204-010 |
| Herzschrittmacher oder implantierter Defibrillator (ICD) | Elektrode mehr als 8 cm vom Implantat entfernt aufkleben oder eine alternative Position wählen | ERC 2025 Advanced Life Support |
| Sauerstoffgerät in der Nähe | Maske oder Nasenbrille abnehmen und mindestens 1 m vom Brustkorb entfernt ablegen | ERC 2025 Advanced Life Support |
| Kinder unter etwa 25 kg (rund 8 Jahre) | Kindermodus bzw. Kindertaste aktivieren, wenn vorhanden. Gibt es keine Kinderfunktion, wird der AED im Erwachsenenmodus eingesetzt. | Resuscitation Council UK, Paediatric BLS 2025 |
| Schwangerschaft | Elektroden in Standardposition, übliche Energie — die Defibrillation wird nicht anders durchgeführt | GRC/ERC, Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen |
| Analyse und Schockabgabe | Die Person darf in diesem Moment von niemandem berührt werden | DGUV; IQWiG |
| Explosionsgefährdeter Bereich | AED sind nicht explosionsgeschützt und dort nicht einzusetzen | DGUV Muster-Betriebsanweisung AED |
Was Betreiber daraus mitnehmen sollten
Für Unternehmen, Vereine und Kommunen ergeben sich aus dieser Datenlage drei praktische Konsequenzen.
Erstens: Entfernung schlägt Ausstattung. Da die Chance mit jeder Minute um 3 bis 6 Prozent sinkt, entscheidet die Erreichbarkeit des Geräts mehr als jede technische Feinheit. Ein AED, der drei Minuten Fußweg entfernt hängt, ist sechs Minuten Verzögerung. Zweitens: Die Kindertaste gehört zum Standard, nicht zur Sonderausstattung. Überall dort, wo Kinder regelmäßig anwesend sind — Schule, Kita, Schwimmbad, Sportverein, Freizeitpark —, erspart eine integrierte Kinderfunktion das Hantieren mit separaten Elektroden im Ernstfall. Der aluderm-AED A2 hat sie als Taste am Gerät. Drittens: Die Einsatzbereitschaft muss nachweisbar sein. Ein Gerät, das im Ernstfall nicht funktioniert, ist schlimmer als keines, weil man sich darauf verlassen hat. Die Betreiberpflichten nach der Medizinprodukte-Betreiberverordnung beschreibt AED-Wartung und Prüfpflichten; die automatische Dokumentation der Selbsttests übernimmt CardiLink.Der aluderm-AED A2 ist zum Kauf oder zur monatlichen Miete erhältlich — den Preis nennen wir im kostenlosen, individuellen Angebot; Wartung und Service erbringen wir gemeinsam mit unserem Partner TÜV SÜD.
Häufige Fragen
Welche Rhythmen kann ein AED beenden?
Wie oft liegt ein defibrillierbarer Rhythmus vor?
Lohnt sich ein AED, wenn er nur bei jedem fünften Fall hilft?
Kann ein AED einen Schaden anrichten, wenn der Rhythmus nicht schockbar ist?
Darf ein AED bei einem Menschen mit Herzschrittmacher oder ICD eingesetzt werden?
Was gilt bei Kindern?
Um wie viel sinkt die Überlebenschance pro Minute?
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- European Resuscitation Council Guidelines 2025 — Adult Basic Life Support
- European Resuscitation Council Guidelines 2025 — Epidemiology in Resuscitation
- Deutsches Reanimationsregister — Jahresbericht Außerklinische Reanimation 2024
- IQWiG / gesundheitsinformation.de — Wie benutzt man einen AED?
- DGUV Information 204-010 — Automatisierte Defibrillation im Rahmen der betrieblichen Ersten Hilfe
- DGUV — Muster-Betriebsanweisung AED (PDF)
- Resuscitation Council UK — Paediatric Basic Life Support Guidelines 2025
- Lott C. et al., Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen, Notfall + Rettungsmedizin (GRC/ERC)
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, rechtliche oder betriebsorganisatorische Beratung. Inhaltlicher Stand: 20.09.2026.