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Defibrillierbare Rhythmen: wann ein AED schockt und wann nicht

⏱ 9 Min. LesezeitKategorie: Themen-RatgeberAktualisiert: 20.09.2026
Defibrillierbare Rhythmen: wann ein AED schockt und wann nicht
Kurz beantwortet: Defibrillierbar sind zwei Rhythmen: Kammerflimmern (VF) und pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT). Nicht defibrillierbar sind Asystolie und pulslose elektrische Aktivität (PEA) — dort hilft nur Herzdruckmassage. In Deutschland lag der Anteil defibrillierbarer Erstrhythmen 2024 bei 22,5 Prozent. Der AED wird trotzdem immer angelegt: Er analysiert selbst und gibt nur dann einen Schock frei, wenn er sinnvoll ist — und nach den ERC-Leitlinien 2025 stammen über 80 Prozent aller Überlebenden aus der schockbaren Gruppe.

Ein Ersthelfer muss keinen Herzrhythmus erkennen. Er muss nur das Gerät anlegen. Diese Seite erklärt trotzdem, was dabei passiert — weil das Wissen die Hemmschwelle senkt und weil Betreiber wissen sollten, was ihr Gerät kann und was nicht.

Zusammengestellt vom Vertriebspartner Steinbach & Gaukel – Vertrieb der Marke aluderm® / W. Söhngen GmbH. Die vorgestellten Geräte sind MDR-konform; der aluderm-AED A2 wird mit 8 Jahren Hersteller-Garantie geliefert. Die Geräte sind zum Kauf und zur monatlichen Miete erhältlich; Wartung und Service erbringen wir gemeinsam mit unserem Partner TÜV SÜD.
Fachlich zusammengestellt für die Praxis · zuletzt aktualisiert 09/2026 · ersetzt keine medizinische Beratung.

Vier Rhythmen können bei einem Kreislaufstillstand vorliegen. Zwei davon lassen sich mit einem Stromstoß beenden, zwei nicht. Welche das sind, wie häufig sie in Deutschland vorkommen und warum die Unterscheidung für den Helfer vor Ort keine Rolle spielt, steht hier — samt der Sonderfälle, bei denen beim AED-Einsatz etwas zu beachten ist.

Die vier Rhythmen im Überblick

Die ERC-Leitlinien 2025 teilen den Kreislaufstillstand in zwei Gruppen: „Ein Kreislaufstillstand geht entweder mit schockbaren Rhythmen (VF/pVT) oder mit nicht-schockbaren Rhythmen (Asystolie und PEA) einher.“

RhythmusWas im Herzen passiertSchock?
Kammerflimmern (VF)Die Herzmuskelzellen ziehen sich zwar zusammen, aber viel zu schnell und völlig unkoordiniert — das Herz pumpt kein Blut mehr.Ja
Pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT)Sehr schneller, aus den Herzkammern stammender Rhythmus ohne wirksamen Auswurf; kein tastbarer Puls.Ja
AsystolieKeine elektrische Aktivität mehr, die Herzmuskelzellen ziehen sich nicht mehr zusammen — das Herz steht still.Nein
Pulslose elektrische Aktivität (PEA)Elektrisch geordnete Aktivität, ohne dass das Herz Blut auswirft.Nein

Warum ein Schock bei Asystolie nicht hilft

Ein Defibrillator startet kein Herz. Er tut das Gegenteil: Er unterbricht mit einem kurzen Stromstoß die chaotische elektrische Aktivität, damit der körpereigene Taktgeber wieder übernehmen kann. Das IQWiG beschreibt es für Laien so, dass bei Kammerflimmern die Zellen noch zucken, bei Asystolie dagegen still stehen — „bei Asystolie hilft nur Herzdruckmassage“.

Wo nichts mehr zu unterbrechen ist, bleibt der Schock also wirkungslos. Genau deshalb gibt ein AED in diesen Fällen keinen frei, sondern fordert zur Herzdruckmassage auf. Die ERC-Leitlinien 2025 formulieren die Anweisung an den Helfer knapp: „Wenn kein Schock angezeigt ist, sofort mit den Thoraxkompressionen fortfahren.“

Die Herzdruckmassage ist in dieser Situation nicht der schwächere Ersatz, sondern die eigentliche Therapie: Sie hält Gehirn und Herzmuskel mit Sauerstoff versorgt, bis der Rettungsdienst eintrifft — und sie kann eine Asystolie unter Umständen in einen Rhythmus überführen, der doch noch schockbar ist.

Wie häufig defibrillierbare Rhythmen in Deutschland sind

Das Deutsche Reanimationsregister hat für 2024 die Erstrhythmen von 27.009 außerklinischen Reanimationen aus 198 Rettungsdiensten ausgewertet:

ErstrhythmusAnteil (Deutschland 2024)Schockbar
Asystolie56,3 %Nein
Kammerflimmern / pulslose VT22,5 %Ja
Pulslose elektrische Aktivität (PEA)21,1 %Nein

Was diese Zahlen bedeuten

Europaweit liegt der Anteil in derselben Größenordnung: Die ERC-Leitlinien 2025 sprechen von „etwa einem von fünf Patienten“ mit schockbarem Rhythmus, mit erheblichen Unterschieden zwischen den Ländern — von 11,4 bis 36,8 Prozent. Der Anteil sinkt seit Jahren; in Schweden fiel er von 39,5 Prozent im Jahr 1990 auf 17,4 Prozent im Jahr 2020.

Nun könnte man daraus schließen, ein AED helfe ja nur in jedem fünften Fall. Die entscheidende Gegenzahl steht in den ERC-Leitlinien 2025 zu den erweiterten Maßnahmen: „Obwohl eine Defibrillation nur in etwa 20 % der Kreislaufstillstände angezeigt ist, weisen mehr als 80 % derjenigen, die überleben, einen schockbaren Rhythmus auf.“

Anders gesagt: Die schockbare Minderheit stellt die große Mehrheit der Überlebenden. Wer in diese Gruppe fällt, hat eine echte Chance — und nur der AED kann sie einlösen.

Die europäische Vergleichsgruppe, an der Rettungssysteme gemessen werden (beobachteter Zusammenbruch mit schockbarem Erstrhythmus), erreichte 2022 in Europa eine Überlebensrate von 30 Prozent, in Dänemark, den Niederlanden, Schweden, Tschechien und Norwegen über 40 Prozent. Über alle Reanimationen hinweg liegt die europäische Überlebensrate dagegen bei 7,5 Prozent.

Wie schnell die Chance sinkt

Hier ist eine Korrektur angebracht, die man selten liest. In vielen Texten steht, die Überlebenschance sinke pro Minute um zehn Prozent. Diese Zahl findet sich in den aktuellen Leitlinien nicht.

Die ERC-Leitlinien 2025 formulieren es so: „Bei Patienten mit einem schockbaren Rhythmus ist jede Minute Verzögerung bis zur Defibrillation mit einer um 6 % höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, das Kammerflimmern nicht zu beenden, und mit einer um 3 bis 6 % geringeren Wahrscheinlichkeit, bis zur Entlassung zu überleben.“ Die deutsche Leitlinienfassung von 2021 nennt 3 bis 5 Prozent.

Die Zahl ist kleiner als der verbreitete Wert und trotzdem dramatisch: Der Rettungsdienst braucht in Deutschland je nach Region im Mittel acht bis zwölf Minuten. In dieser Zeit entscheidet sich, ob ein Gerät vor Ort erreichbar war.

Und genau daran hapert es. 2024 wurde in Deutschland bei nur 2,0 Prozent der außerklinischen Reanimationen vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes defibrilliert — bei einer Laienreanimationsquote von 52 Prozent. Es wird also gedrückt, aber praktisch nicht geschockt.

Warum der AED trotzdem immer angelegt wird

Der Helfer trifft keine Entscheidung über den Rhythmus. Die ERC-Leitlinien 2025 stellen dazu fest: „AEDs interpretieren den Herzrhythmus zuverlässig und sind in der Anwendung durch Laien sicher und wirksam.“ Sobald das Gerät da ist, wird es angeschlossen — die Analyse übernimmt es selbst und gibt einen Schock nur frei, wenn der Rhythmus schockbar ist.

Auch die Sorge, sich selbst zu gefährden, entkräften die Leitlinien: „Das Risiko eines Schadens für Helfer durch einen versehentlichen Schock bei der AED-Anwendung ist gering.“

Der aluderm-AED A2 arbeitet wie alle Laiengeräte halbautomatisch: Er analysiert den Rhythmus, und wenn ein Schock angezeigt ist, fordert er per Sprach- und Grafikansage dazu auf, ihn per Tastendruck auszulösen. Die Entscheidung, ob geschockt wird, trifft das Gerät; die Auslösung bleibt beim Helfer. Den Unterschied zu Vollautomaten erklärt Vollautomat oder Halbautomat.

Sonderfälle: worauf beim Einsatz zu achten ist

Es gibt keine Situation, in der man einen Menschen ohne Kreislauf lieber nicht defibrilliert. Es gibt aber einige Punkte, die die Wirksamkeit sichern oder Schäden vermeiden.

SituationWas zu tun istQuelle
Nasse Person oder nasser UntergrundPerson auf eine trockene Unterlage legen, Oberkörper abtrocknenDGUV Muster-Betriebsanweisung AED
Starke BrustbehaarungKlebestellen bei Bedarf rasieren, damit die Elektroden haftenDGUV; ERC 2025
Medikamentenpflaster auf dem OberkörperPflaster entfernen, bevor die Elektroden aufgeklebt werdenDGUV Information 204-010
Herzschrittmacher oder implantierter Defibrillator (ICD)Elektrode mehr als 8 cm vom Implantat entfernt aufkleben oder eine alternative Position wählenERC 2025 Advanced Life Support
Sauerstoffgerät in der NäheMaske oder Nasenbrille abnehmen und mindestens 1 m vom Brustkorb entfernt ablegenERC 2025 Advanced Life Support
Kinder unter etwa 25 kg (rund 8 Jahre)Kindermodus bzw. Kindertaste aktivieren, wenn vorhanden. Gibt es keine Kinderfunktion, wird der AED im Erwachsenenmodus eingesetzt.Resuscitation Council UK, Paediatric BLS 2025
SchwangerschaftElektroden in Standardposition, übliche Energie — die Defibrillation wird nicht anders durchgeführtGRC/ERC, Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen
Analyse und SchockabgabeDie Person darf in diesem Moment von niemandem berührt werdenDGUV; IQWiG
Explosionsgefährdeter BereichAED sind nicht explosionsgeschützt und dort nicht einzusetzenDGUV Muster-Betriebsanweisung AED

Was Betreiber daraus mitnehmen sollten

Für Unternehmen, Vereine und Kommunen ergeben sich aus dieser Datenlage drei praktische Konsequenzen.

Erstens: Entfernung schlägt Ausstattung. Da die Chance mit jeder Minute um 3 bis 6 Prozent sinkt, entscheidet die Erreichbarkeit des Geräts mehr als jede technische Feinheit. Ein AED, der drei Minuten Fußweg entfernt hängt, ist sechs Minuten Verzögerung. Zweitens: Die Kindertaste gehört zum Standard, nicht zur Sonderausstattung. Überall dort, wo Kinder regelmäßig anwesend sind — Schule, Kita, Schwimmbad, Sportverein, Freizeitpark —, erspart eine integrierte Kinderfunktion das Hantieren mit separaten Elektroden im Ernstfall. Der aluderm-AED A2 hat sie als Taste am Gerät. Drittens: Die Einsatzbereitschaft muss nachweisbar sein. Ein Gerät, das im Ernstfall nicht funktioniert, ist schlimmer als keines, weil man sich darauf verlassen hat. Die Betreiberpflichten nach der Medizinprodukte-Betreiberverordnung beschreibt AED-Wartung und Prüfpflichten; die automatische Dokumentation der Selbsttests übernimmt CardiLink.

Der aluderm-AED A2 ist zum Kauf oder zur monatlichen Miete erhältlich — den Preis nennen wir im kostenlosen, individuellen Angebot; Wartung und Service erbringen wir gemeinsam mit unserem Partner TÜV SÜD.

Häufige Fragen

Welche Rhythmen kann ein AED beenden?
Zwei: Kammerflimmern (VF) und pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT). Nicht defibrillierbar sind Asystolie und pulslose elektrische Aktivität (PEA) — dort ist die Herzdruckmassage die Therapie.
Wie oft liegt ein defibrillierbarer Rhythmus vor?
Nach dem Deutschen Reanimationsregister lag der Anteil 2024 in Deutschland bei 22,5 Prozent der außerklinischen Reanimationen. Asystolie machte 56,3 Prozent aus, PEA 21,1 Prozent. Europaweit nennen die ERC-Leitlinien 2025 etwa 20 Prozent.
Lohnt sich ein AED, wenn er nur bei jedem fünften Fall hilft?
Ja. Die ERC-Leitlinien 2025 halten fest, dass über 80 Prozent aller Überlebenden eines Kreislaufstillstands einen schockbaren Rhythmus hatten. Die schockbare Minderheit stellt also die große Mehrheit der Geretteten.
Kann ein AED einen Schaden anrichten, wenn der Rhythmus nicht schockbar ist?
Nein. Das Gerät analysiert selbst und gibt bei einem nicht-schockbaren Rhythmus keinen Schock frei, sondern fordert zur Herzdruckmassage auf. Die ERC-Leitlinien 2025 bewerten AED als zuverlässig in der Rhythmusinterpretation sowie sicher und wirksam in der Anwendung durch Laien.
Darf ein AED bei einem Menschen mit Herzschrittmacher oder ICD eingesetzt werden?
Ja. Nach den ERC-Leitlinien 2025 wird die Elektrode mehr als 8 cm vom Implantat entfernt aufgeklebt oder eine alternative Elektrodenposition gewählt. Ein Implantat ist kein Grund, auf die Defibrillation zu verzichten.
Was gilt bei Kindern?
Bei Kindern unter etwa 25 Kilogramm, also bis ungefähr acht Jahren, wird der Kindermodus aktiviert, sofern das Gerät einen hat. Hat der AED keine Kinderfunktion, wird er nach den Leitlinien des Resuscitation Council UK im normalen Erwachsenenmodus eingesetzt — das ist besser als gar keine Defibrillation.
Um wie viel sinkt die Überlebenschance pro Minute?
Die ERC-Leitlinien 2025 nennen 3 bis 6 Prozent geringere Überlebenswahrscheinlichkeit je Minute Verzögerung bis zur Defibrillation. Die häufig zitierte Angabe von zehn Prozent pro Minute lässt sich in den aktuellen Leitlinien nicht belegen.

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Quellen & weiterführende Informationen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, rechtliche oder betriebsorganisatorische Beratung. Inhaltlicher Stand: 20.09.2026.

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