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Ersthelfer-Apps und AED-Kataster: Mobile Retter, corhelper & Co.

⏱ 9 Min. LesezeitKategorie: Themen-RatgeberAktualisiert: 15.10.2026
Ersthelfer-Apps und AED-Kataster: Mobile Retter, corhelper & Co.
Kurz beantwortet: Ersthelfer-Apps wie Mobile Retter, corhelper, KATRETTER oder Region der Lebensretter alarmieren bei einem Herzstillstand parallel zum Rettungsdienst registrierte Helfer in der Nähe. In Freiburg war der erste App-Helfer im Mittel nach 6:09 Minuten da, das erste Rettungsmittel nach 7:28 Minuten. Damit Helfer auch einen Defibrillator finden, sollten Betreiber ihren AED in einem Register erfassen; ein bundesweites AED-Kataster sieht die geplante Notfallreform vor.

Der Rettungsdienst braucht in Deutschland oft acht Minuten und mehr – die ersten Minuten eines Herzstillstands entscheiden aber über das Überleben. Ersthelfer-Apps schließen diese Lücke mit Menschen aus der Nachbarschaft. Dieser Beitrag erklärt, wie die Systeme funktionieren, wo sie verfügbar sind und was Unternehmen, Vereine und Kommunen mit einem AED beitragen können.

Zusammengestellt vom Vertriebspartner Steinbach & Gaukel – Vertrieb der Marke aluderm® / W. Söhngen GmbH. Die vorgestellten Geräte sind MDR-konform; der aluderm-AED A2 wird mit 8 Jahren Hersteller-Garantie geliefert. Die Geräte sind zum Kauf und zur monatlichen Miete erhältlich; Wartung und Service erbringen wir gemeinsam mit unserem Partner TÜV SÜD.
Fachlich zusammengestellt für die Praxis · zuletzt aktualisiert 09/2026 · ersetzt keine medizinische Beratung.

Alle Zahlen stammen aus den Angaben der Anbieter, Landtagsdrucksachen, Studien und Behördenmitteilungen, Stand 15.10.2026. Die Zahl der angebundenen Regionen ändert sich laufend; maßgeblich ist die Seite des jeweiligen Systems.

So funktionieren Ersthelfer-Apps

Geht bei der Leitstelle ein Notruf mit Verdacht auf Herz-Kreislauf-Stillstand ein, alarmiert sie wie immer den Rettungsdienst. Gleichzeitig ortet das System registrierte Helfer, die sich gerade in der Nähe befinden, und schickt ihnen den Einsatz aufs Smartphone. Wer annimmt, wird zum Patienten geleitet und beginnt mit der Herzdruckmassage; bei mehreren Helfern holt einer den nächsten AED. Der German Resuscitation Council empfiehlt, zwei bis drei Helfer je Alarm zu schicken, einen davon mit Defibrillator.

Die Helfer ersetzen den Rettungsdienst nicht, sie überbrücken die Zeit bis zu seinem Eintreffen. Eine Studie aus Freiburg (Ganter et al., Notfall + Rettungsmedizin 2021) fand für den ersten Helfer im Mittel 6:09 Minuten, für das erste Rettungsmittel 7:28 Minuten. Im Landkreis Gießen waren KATRETTER-Helfer 2024 laut hessenschau bei fast 100 Reanimationen 88-mal schneller oder gleich schnell wie der Rettungswagen.

Die Systeme im Überblick

Welches System gilt, entscheidet der Träger der Leitstelle in Ihrem Landkreis. Eine einheitliche App gibt es bisher nicht.

SystemTräger / AnbieterVerbreitung (Angabe des Anbieters)Teilnahme
Mobile Rettermedgineering GmbH, Dortmund; Mobile Retter e.V.„über 40 Regionen“ (Stand 07/2026)medizinisch qualifizierte Helfer, Details je Region
corhelperumlaut, Teil von Accenturerund 30 Städte und Landkreise (Stand 09/2026)ab 18 Jahren, Qualifikation legt der lokale Administrator fest
KATRETTERfür kommunale Rettungsorganisationen und Leitstellenu. a. Landkreis Gießen (489 Helfer, 2024)kostenlos für Helfer
Region der LebensretterInitiative aus Freiburgrund 16.300 Helfer in Baden-Württemberg (06/2025); Bayerischer Untermain seit 2026ab 18 Jahren, Grundkenntnisse Reanimation
Team Bayern LebensretterLandkreise Roth, Weißenburg-Gunzenhausen, Stadt SchwabachStart März 2025lotst auch zum nächsten AED
Team Österreich LebensretterÖsterreichisches Rotes Kreuzlaut Rotem Kreuz flächendeckend in Österreich (2026)volljährig, Wohnsitz in Österreich, Reanimation gelernt

Notfallreform: Apps und AED-Kataster als Standard

Bisher hängt es vom Wohnort ab, ob eine App alarmiert. Baden-Württemberg etwa kann laut Landtagsdrucksache 17/8886 keine einheitliche App vorschreiben; Bayern fördert die Apps nach Drucksache 19/8162 nicht staatlich. Das soll sich ändern: Der vom Bundeskabinett am 22. April 2026 beschlossene Entwurf zur Notfallreform sieht Ersthelfer-Apps und die telefonische Reanimationsanleitung als Standard vor, dazu ein bundesweit einheitliches Kataster aller öffentlich zugänglichen Defibrillatoren, vernetzt mit den Leitstellen. Die abschließende Beratung im Bundestag war für den 15. Oktober 2026 angesetzt; das Inkrafttreten ist noch offen.

Der GRC erwartet durch das Gesetz rund 10.000 zusätzlich gerettete Menschen pro Jahr. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt auch daran, wie viele AED es gibt und ob man sie findet.

AED registrieren: so wird Ihr Gerät gefunden

Ein AED im Unternehmen oder Vereinsheim nützt der Nachbarschaft nur, wenn Leitstellen und Helfer von ihm wissen. Heute gibt es dafür mehrere, nicht verbundene Wege:

Hinzu kommt die Betreiberseite: Nach § 12 Abs. 2 MPBetreibV sind Daten zu Funktionsfähigkeit, Standort und öffentlicher Zugänglichkeit eines Laien-AED über den Hersteller öffentlich abrufbar bereitzustellen – Einzelheiten im Beitrag AED-Fernüberwachung ab 2027.

Öffentlich zugänglich – oder nur zu Geschäftszeiten?

Ein AED hinter verschlossener Tür hilft nachts niemandem. Wer sein Gerät der Nachbarschaft zur Verfügung stellen will, braucht einen Standort, der von außen erreichbar ist. Dabei gilt eine wichtige Einschränkung: Die aktuellen aluderm-AED-Wandschränke sind ausschließlich für den Innenbereich konzipiert. Gut geeignet sind zugängliche Innenzonen wie ein Foyer, ein Vorraum oder eine Schalterhalle. Wer nur zu Öffnungszeiten zugänglich ist, sollte das im Register angeben – auch das hilft den Helfern.

Wie Sie den Standort planen und kennzeichnen, zeigen AED-Standort und AED-Symbol nach ISO 7010. Wie Sie im Notfall selbst einen Defibrillator finden, steht in Defibrillator in der Nähe finden.

Selbst Ersthelfer werden

Wer medizinisch ausgebildet ist oder regelmäßig Reanimation trainiert – Pflegekräfte, Feuerwehrleute, Ersthelfer in Betrieben –, kann sich in der App seiner Region registrieren. Die Anforderungen legt jedes System selbst fest, meist sind Volljährigkeit und eine nachgewiesene Reanimationsausbildung nötig. Unternehmen können ihre betrieblichen Ersthelfer auf diese Möglichkeit hinweisen: Wer im Betrieb einen AED hat und geschult ist, hilft so auch auf dem Weg zur Arbeit.

Häufige Fragen

Was ist Mobile Retter?
Mobile Retter ist ein Ersthelfer-Alarmierungssystem: Bei einem Herzstillstand alarmiert die Leitstelle parallel zum Rettungsdienst registrierte, qualifizierte Helfer in der Nähe per App. Laut Anbieter sind über 40 Regionen angebunden.
Welche Ersthelfer-App gilt in meiner Region?
Das entscheidet der Träger der Leitstelle. Verbreitet sind Mobile Retter, corhelper, KATRETTER und Region der Lebensretter; eine bundesweit einheitliche App gibt es bisher nicht.
Wie registriere ich unseren AED?
Freiwillig zum Beispiel im Defikataster von definetz e.V. oder in OpenStreetMap mit dem Merkmal emergency=defibrillator. Viele Landkreise erfassen AED zusätzlich selbst; fragen Sie bei Ihrer Leitstelle nach.
Gibt es ein bundesweites AED-Kataster?
Noch nicht. Der Entwurf zur Notfallreform, vom Bundeskabinett am 22.04.2026 beschlossen, sieht ein bundesweit einheitliches, mit den Leitstellen vernetztes Kataster vor. Das Inkrafttreten ist noch offen.
Wer darf bei einer Ersthelfer-App mitmachen?
Die Systeme setzen meist Volljährigkeit und eine nachgewiesene Reanimationsausbildung voraus. Die genauen Anforderungen legt jedes System bzw. jede Region selbst fest.

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Quellen & weiterführende Informationen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, rechtliche oder betriebsorganisatorische Beratung. Inhaltlicher Stand: 15.10.2026.

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