Ersthelfer-Apps und AED-Kataster: Mobile Retter, corhelper & Co.

Der Rettungsdienst braucht in Deutschland oft acht Minuten und mehr – die ersten Minuten eines Herzstillstands entscheiden aber über das Überleben. Ersthelfer-Apps schließen diese Lücke mit Menschen aus der Nachbarschaft. Dieser Beitrag erklärt, wie die Systeme funktionieren, wo sie verfügbar sind und was Unternehmen, Vereine und Kommunen mit einem AED beitragen können.
Fachlich zusammengestellt für die Praxis · zuletzt aktualisiert 09/2026 · ersetzt keine medizinische Beratung.
Alle Zahlen stammen aus den Angaben der Anbieter, Landtagsdrucksachen, Studien und Behördenmitteilungen, Stand 15.10.2026. Die Zahl der angebundenen Regionen ändert sich laufend; maßgeblich ist die Seite des jeweiligen Systems.
So funktionieren Ersthelfer-Apps
Geht bei der Leitstelle ein Notruf mit Verdacht auf Herz-Kreislauf-Stillstand ein, alarmiert sie wie immer den Rettungsdienst. Gleichzeitig ortet das System registrierte Helfer, die sich gerade in der Nähe befinden, und schickt ihnen den Einsatz aufs Smartphone. Wer annimmt, wird zum Patienten geleitet und beginnt mit der Herzdruckmassage; bei mehreren Helfern holt einer den nächsten AED. Der German Resuscitation Council empfiehlt, zwei bis drei Helfer je Alarm zu schicken, einen davon mit Defibrillator.
Die Helfer ersetzen den Rettungsdienst nicht, sie überbrücken die Zeit bis zu seinem Eintreffen. Eine Studie aus Freiburg (Ganter et al., Notfall + Rettungsmedizin 2021) fand für den ersten Helfer im Mittel 6:09 Minuten, für das erste Rettungsmittel 7:28 Minuten. Im Landkreis Gießen waren KATRETTER-Helfer 2024 laut hessenschau bei fast 100 Reanimationen 88-mal schneller oder gleich schnell wie der Rettungswagen.
Die Systeme im Überblick
Welches System gilt, entscheidet der Träger der Leitstelle in Ihrem Landkreis. Eine einheitliche App gibt es bisher nicht.
| System | Träger / Anbieter | Verbreitung (Angabe des Anbieters) | Teilnahme |
|---|---|---|---|
| Mobile Retter | medgineering GmbH, Dortmund; Mobile Retter e.V. | „über 40 Regionen“ (Stand 07/2026) | medizinisch qualifizierte Helfer, Details je Region |
| corhelper | umlaut, Teil von Accenture | rund 30 Städte und Landkreise (Stand 09/2026) | ab 18 Jahren, Qualifikation legt der lokale Administrator fest |
| KATRETTER | für kommunale Rettungsorganisationen und Leitstellen | u. a. Landkreis Gießen (489 Helfer, 2024) | kostenlos für Helfer |
| Region der Lebensretter | Initiative aus Freiburg | rund 16.300 Helfer in Baden-Württemberg (06/2025); Bayerischer Untermain seit 2026 | ab 18 Jahren, Grundkenntnisse Reanimation |
| Team Bayern Lebensretter | Landkreise Roth, Weißenburg-Gunzenhausen, Stadt Schwabach | Start März 2025 | lotst auch zum nächsten AED |
| Team Österreich Lebensretter | Österreichisches Rotes Kreuz | laut Rotem Kreuz flächendeckend in Österreich (2026) | volljährig, Wohnsitz in Österreich, Reanimation gelernt |
Notfallreform: Apps und AED-Kataster als Standard
Bisher hängt es vom Wohnort ab, ob eine App alarmiert. Baden-Württemberg etwa kann laut Landtagsdrucksache 17/8886 keine einheitliche App vorschreiben; Bayern fördert die Apps nach Drucksache 19/8162 nicht staatlich. Das soll sich ändern: Der vom Bundeskabinett am 22. April 2026 beschlossene Entwurf zur Notfallreform sieht Ersthelfer-Apps und die telefonische Reanimationsanleitung als Standard vor, dazu ein bundesweit einheitliches Kataster aller öffentlich zugänglichen Defibrillatoren, vernetzt mit den Leitstellen. Die abschließende Beratung im Bundestag war für den 15. Oktober 2026 angesetzt; das Inkrafttreten ist noch offen.
Der GRC erwartet durch das Gesetz rund 10.000 zusätzlich gerettete Menschen pro Jahr. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt auch daran, wie viele AED es gibt und ob man sie findet.
AED registrieren: so wird Ihr Gerät gefunden
Ein AED im Unternehmen oder Vereinsheim nützt der Nachbarschaft nur, wenn Leitstellen und Helfer von ihm wissen. Heute gibt es dafür mehrere, nicht verbundene Wege:
- definetz e.V. führt mit dem Defikataster ein freiwilliges, gemeinnütziges Verzeichnis.
- OpenStreetMap: Ein AED lässt sich kostenlos als Punkt mit dem Merkmal
emergency=defibrillatoreintragen, mit Angaben zu Lage, Zugang und Öffnungszeiten. Diese Daten nutzen unter anderem OpenAEDMap, Team Bayern Lebensretter und Landkreise wie Osnabrück. - Ihre Region: Einige Landkreise und App-Betreiber erfassen AED selbst. Fragen Sie bei der Integrierten Leitstelle oder beim Rettungszweckverband nach.
Hinzu kommt die Betreiberseite: Nach § 12 Abs. 2 MPBetreibV sind Daten zu Funktionsfähigkeit, Standort und öffentlicher Zugänglichkeit eines Laien-AED über den Hersteller öffentlich abrufbar bereitzustellen – Einzelheiten im Beitrag AED-Fernüberwachung ab 2027.
Öffentlich zugänglich – oder nur zu Geschäftszeiten?
Ein AED hinter verschlossener Tür hilft nachts niemandem. Wer sein Gerät der Nachbarschaft zur Verfügung stellen will, braucht einen Standort, der von außen erreichbar ist. Dabei gilt eine wichtige Einschränkung: Die aktuellen aluderm-AED-Wandschränke sind ausschließlich für den Innenbereich konzipiert. Gut geeignet sind zugängliche Innenzonen wie ein Foyer, ein Vorraum oder eine Schalterhalle. Wer nur zu Öffnungszeiten zugänglich ist, sollte das im Register angeben – auch das hilft den Helfern.
Wie Sie den Standort planen und kennzeichnen, zeigen AED-Standort und AED-Symbol nach ISO 7010. Wie Sie im Notfall selbst einen Defibrillator finden, steht in Defibrillator in der Nähe finden.
Selbst Ersthelfer werden
Wer medizinisch ausgebildet ist oder regelmäßig Reanimation trainiert – Pflegekräfte, Feuerwehrleute, Ersthelfer in Betrieben –, kann sich in der App seiner Region registrieren. Die Anforderungen legt jedes System selbst fest, meist sind Volljährigkeit und eine nachgewiesene Reanimationsausbildung nötig. Unternehmen können ihre betrieblichen Ersthelfer auf diese Möglichkeit hinweisen: Wer im Betrieb einen AED hat und geschult ist, hilft so auch auf dem Weg zur Arbeit.
Häufige Fragen
Was ist Mobile Retter?
Welche Ersthelfer-App gilt in meiner Region?
Wie registriere ich unseren AED?
Gibt es ein bundesweites AED-Kataster?
Wer darf bei einer Ersthelfer-App mitmachen?
Unverbindlich anfragen
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Produkte ansehen & Angebot anfordernQuellen & weiterführende Informationen
- Mobile Retter — Regionen und Funktionsweise
- corhelper — Städte und Landkreise
- hessenschau — KATRETTER-Bilanz im Kreis Gießen (05.04.2025)
- Ganter J. et al. — Smartphone-basierte Ersthelferalarmierung in Freiburg, Notfall + Rettungsmedizin 2021
- Landtag Baden-Württemberg — Drucksache 17/8886 zu Ersthelfer-Apps
- Bayerischer Landtag — Drucksache 19/8162 zu Ersthelfer-Apps
- Bundesministerium für Gesundheit — Bundeskabinett beschließt Notfallreform (22.04.2026)
- Deutscher Bundestag — Reform der Notfallversorgung (KW 42/2026)
- German Resuscitation Council — Pressemitteilung zum Notfallreformgesetz (06.05.2026)
- OpenStreetMap Wiki — emergency=defibrillator
- definetz e.V. — Defikataster
- Österreichisches Rotes Kreuz — Team Österreich Lebensretter (Folder 2026)
- Landratsamt Roth — Start Team Bayern Lebensretter (24.02.2025)
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, rechtliche oder betriebsorganisatorische Beratung. Inhaltlicher Stand: 15.10.2026.