Beatmungsmaske für die Erste Hilfe: Arten, Ventil und richtige Anwendung

Viele Ersthelfer zögern bei der Atemspende – aus Sorge vor Infektionen oder aus Ekel. Eine Beatmungsmaske nimmt diese Hürde. Dieser Ratgeber zeigt, welche Bauformen es gibt, wann Beatmung überhaupt nötig ist, wie man eine Maske richtig aufsetzt und welche Beatmungshilfe an einen AED-Standort gehört.
Fachlich zusammengestellt für die Praxis · zuletzt aktualisiert 09/2026 · ersetzt keine medizinische Beratung.
Grundlage sind die Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) 2025, eine Übersichtsarbeit zu Infektionen bei der Wiederbelebung und die Inhaltslisten der DIN-Verbandkästen. Stand: 15.10.2026. Der Beitrag ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.
Die drei Bauformen im Überblick
Im Handel heißt fast alles „Beatmungsmaske“. Gemeint sind drei verschiedene Hilfsmittel, die sich in Abdichtung, Platzbedarf und Preis unterscheiden:
| Bauform | Aufbau | Stärke | Typischer Ort |
|---|---|---|---|
| Beatmungstuch (Face Shield) | flache Folie mit Einwegventil oder Filter, einmal verwendbar | passt in jede Tasche, an den Schlüsselbund, kostet wenig | Schlüsselbund, Auto, Sporttasche, Verbandkasten |
| Taschenmaske (Pocket Mask) | formstabile Maske über Mund und Nase, Einwegventil | dichtet besser ab, Beatmung leichter zu kontrollieren | AED-Standort, Betrieb, Praxis, Vereinsheim |
| Beatmungsbeutel (Beutel-Masken-System) | Beutel mit Maske und Ventilen | für Geübte: Beatmung ohne eigene Ausatemluft | Rettungsdienst, Klinik, Sanitätsdienst |
Wann Laien überhaupt beatmen sollen
Die ERC-Leitlinien 2025 unterscheiden klar: Wer nicht in Beatmung geschult ist, führt die Herzdruckmassage ohne Unterbrechung durch. Wer es gelernt hat, beatmet nach je 30 Kompressionen zweimal – mit nur so viel Luft, dass sich der Brustkorb zu heben beginnt. Auch die Leitstelle leitet Laien am Telefon zunächst zur reinen Herzdruckmassage an.
Bei Kindern ist es anders: Ihr Kreislaufstillstand ist meist die Folge von Sauerstoffmangel. Die Leitlinien sehen deshalb in allen Altersstufen fünf Anfangsbeatmungen und Beatmung im Wechsel mit der Herzdruckmassage vor; wer dazu nicht bereit ist, drückt durch. Einzelheiten im Ratgeber Reanimation bei Kindern und Säuglingen.Für Betriebe heißt das: Die Beatmungsmaske ist kein Ersatz für die Herzdruckmassage, sondern ein Angebot an alle, die beatmen können und wollen – etwa ausgebildete Ersthelferinnen und Ersthelfer.
Wie groß ist das Infektionsrisiko wirklich?
Der ERC hält fest: Das Infektionsrisiko für Helfer bei der Wiederbelebung ist gering. Eine viel zitierte Übersichtsarbeit (Mejicano und Maki, Annals of Internal Medicine 1998) fand weltweit nur 15 dokumentierte Fälle einer Übertragung im Zusammenhang mit Wiederbelebung, überwiegend bakteriell. Übertragungen von Hepatitis B, Hepatitis C oder Zytomegalie durch Wiederbelebung waren nicht beschrieben.
Warum dann eine Maske? Weil Zögern Zeit kostet. Eine Barriere senkt das ohnehin niedrige Risiko weiter und vor allem die Hemmschwelle. Mehr zum Hygieneschutz im Beitrag Hygiene bei der Atemspende.
So setzen Sie eine Beatmungsmaske richtig ein
- Erst drücken: Notruf 112, Herzdruckmassage beginnen. Die Maske kommt erst zum Einsatz, wenn Sie nach 30 Kompressionen beatmen.
- Maske aufsetzen: Taschenmaske mit der schmalen Seite auf den Nasenrücken, über Mund und Nase legen. Beim Beatmungstuch die Ventilöffnung über den Mund legen.
- Abdichten und Kopf überstrecken: Maske mit beiden Händen fest auf das Gesicht drücken, Kinn anheben.
- Beatmen: etwa eine Sekunde lang durch das Ventil einblasen, bis sich der Brustkorb zu heben beginnt. Zweimal.
- Weiterdrücken: sofort zurück zur Herzdruckmassage, Unterbrechung möglichst kurz halten. Kommt ein AED, sofort einschalten.
Beim Säugling umschließt die Maske Mund und Nase gemeinsam. Gelingt die Beatmung nicht auf Anhieb, nicht lange korrigieren – die Herzdruckmassage hat Vorrang.
Gehört eine Beatmungsmaske in den Verbandkasten?
Die betrieblichen Verbandkästen nach DIN 13157 (klein) und DIN 13169 (groß) wurden 2021 überarbeitet. Laut der von der DGUV veröffentlichten Inhaltsliste enthalten sie keine Beatmungsmaske und kein Beatmungstuch; neu sind unter anderem medizinische Gesichtsmasken und Feuchttücher. Wer Atemspende ermöglichen will, ergänzt eine Beatmungshilfe deshalb selbst – am sinnvollsten direkt am AED.
Die Haltbarkeit legt der Hersteller fest; viele Beatmungstücher und -masken tragen ein Verfallsdatum. Prüfen Sie es bei der regelmäßigen Sichtprüfung des AED mit, zum Beispiel mit unserem Prüfprotokoll.
Die aluderm-Beatmungshilfen im Vergleich
Für unterschiedliche Einsatzorte gibt es drei aluderm-Produkte der W. Söhngen GmbH:
| Produkt | Bauform | Ideal für | Mehr |
|---|---|---|---|
| Air-Vita Bi-Protect | formstabile Beatmungsmaske mit Ventil | AED-Standort, Betrieb, Erste-Hilfe-Raum | Produktseite |
| Beatmungstuch BT-DRY | flaches Einweg-Beatmungstuch mit Ventil | unterwegs: Auto, Sporttasche, Schlüsselbund | Produktseite |
| Beatmungshilfe „Beatmen & Schützen“ | kompakte Beatmungshilfe | preiswerte Grundausstattung vieler Kästen | Produktseite |
Was an jeden AED-Standort gehört
Ein AED ist schnell, wenn alles beisammen ist: Gerät, Elektroden in Reichweite, Schere oder Rea-Set zum Freilegen des Brustkorbs, Einmalhandschuhe und eine Beatmungshilfe. Das AED-Rea-Set bündelt diese Teile. Wie Sie den Standort planen und kennzeichnen, zeigt AED-Standort.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Beatmungstuch und Beatmungsmaske?
Muss ich als Laie beatmen?
Wofür ist das Ventil in der Beatmungsmaske?
Wie hoch ist das Infektionsrisiko bei der Mund-zu-Mund-Beatmung?
Ist eine Beatmungsmaske im Verbandkasten Pflicht?
Wie oft muss man beatmen?
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- European Resuscitation Council — Guidelines 2025 Executive Summary
- European Resuscitation Council — Guidelines 2025 on Resuscitation for Everyone (Laienfassung)
- Resuscitation Council UK — Adult basic life support guidelines 2025
- Mejicano GC, Maki DG — Infections acquired during cardiopulmonary resuscitation, Ann Intern Med 1998
- DGUV — Aktualisierte DIN-Normen für Verbandkästen im Betrieb (2021)
- Unfallkasse Brandenburg — Inhalt der Verbandkästen nach DIN 13157 und DIN 13169
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, rechtliche oder betriebsorganisatorische Beratung. Inhaltlicher Stand: 15.10.2026.